nur annähernd gliche, und der Waldwuchs gehört so wenig mit Notwendigkeitzum Charakter ihrer Moore, daß in den meisten nur die unterste Schicht miteinzelnen verwitterten Baumresten durchschossen ist, in noch anderen sichdiese Zeugen einer entwickelteren Vegetation überhaupt nicht finden. Da-gegen haben nun einen um so wesentlicheren Anteil an der Bildung derselbendie Gräser, Moose und Heiden.
Möglich, daß selbst der Name, mit welchem man in Oberdeutschland dieseBodengestaltung benennt, darauf deutet: denn man spricht dort wohl von einemMoos, einem Ried, einem Filz, während der ursprünglich niederdeutsche Aus-druck Moor in seiner Verwandtschaft mit „Morast" und „Meer" allgemeinauf eine Mischform von Land und Wasser hinzuweisen scheint. Und dieserBegriff wird zunächst festzustellen sein. Wo das Moor auch auftrete: immerist es ein Stück Urnatur, ein sumpfiges Durcheinander, in dem die Elementesich gleichsam noch nicht geschieden haben. Das Land ist noch nicht der festeGrund, den der Mensch betritt, bewohnt, das Wasser ist noch nicht die klare,freie Welle, die rauschend ihre Straße zieht, und wie die Tierwelt dieser Striche,so auch die Pflanzenwelt eine amphibiotische, und nicht das bloß — sie ist,Wenigstens soweit es die Moore angeht, im wörtlichen Sinne eine lebendtote,indem sie nach unten immer absterbend, nach oben immer neue Triebe schickt,so daß der zarte Faden dieser Stengel gleichsam ohne zu altern Geschlecht mitGeschlecht verknüpft.
Wohl hat man zu allen Zeiten die Vegetation der Moose bewundert, die inihren Zwerggebilden die großen gegliederten Formen des Pflanzenreichsgleichsam spielend wiederholt, allein gerade die hier in Rede stehenden Artendes Torfmooses blieben vielleicht um so weniger beachtet, je weniger ihnenirgendein augenfälliger Schmuck zukommt. Kaum mag etwas reizloser sein,als diese schlüpfrigen Knäuel dünner, schlaffer Stengel und Blättchen, dieunsere Sümpfe mit einem trüben Grün überziehen, das nur im Sonnenlichtfahlrötlich schimmert und zuletzt farblos verbleicht. Aber abgesehen davon,daß einzelne Arten sich allerdings nicht selten in feuriges Purpur oder in leuch-tendes Gelb kleiden, gestaltet sich nun der innere Bau und das Leben dieserGewächse desto beachtenswerter. Denn in den zarten, anscheinend so kraftlosherabhängenden Verzweigungen derselben arbeitet unaufhörlich eine Reiheeigentümlicher, schlauchartiger Gefäße, die gleich Pumpwerkzeugen begierigdie Feuchtigkeit der Luft und des Bodens saugen und, im Vereine mit demschwammigen Hautgewebe des Stengels, das Wasser gleichsam binden, so daßdie Moospolster auf solche Weise in der Tat zu vegetabilischen Quellen werdenund eben daher zugleich die kaum zu erschöpfende Zeugungskraft empfangen.Mit jedem Winter zusammensinkend, treiben dieselben in jedem Frühling höherUn d massenhafter empor, indem sich unmittelbar an die modernden Spitzendie frischen Sprossen heften. Der üppigste Wuchs aber findet sich meist in derMitte der Moore. Hier in der größten Tiefe des Beckens, wo die Bildung der-selben begonnen, wuchert das Moos oft in mehr als fußhohen Jahresschichtenu ud steigt selbst hügelartig auf, bis die ursprüngliche Fläche sich allmählich•8 eine Wölbung verwandelt. Den Beweis dafür gibt fast jedes der ebendeshalbsogenannten Hochmoore. In den Teufelssümpfen Carolinas erhebt sich die
63