ländern, die im Sommer mit honigreichen, rötlichen Blumen prangen, und vonden pflanzenleeren Wüsten Afrikas zu den Ebenen von Südamerika zurück!Keine Oase erinnert hier an frühe Bewohner, kein behauener Stein, kein ver-wilderter Fruchtbaum an den Fleiß untergegangener Geschlechter. Wie denSchicksalen der Menschheit fremd, allein an die Gegenwart fesselnd, liegtdieser Erdwinkel da, ein wilder Schauplatz des freien Tier- und Pflanzenlebens.(Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur, 1808.)
MOORE
Von der Gascogne bis Lappland und in den Norden Asiens hinauf zieht sich, derMeeresküste folgend und nur hier und da in erheblicher Weise unterbrochen, dersumpfige Gürtel, und nicht minder als an jenen flachen Gestaden finden sichMoore tief im Innern unseres Kontinents auf dem Rücken der Gebirge undHochebenen. Als die eigentlich klassischen Länder dieses Typus sind jedochIrland und Holland berufen. Während in dem ersteren ein Siebentel der ge-samten Fläche von Sümpfen eingenommen wird, sagt von dem letzteren HugoGrotius, der sonst sein Vaterland mit freudigem Stolze preist, die Natur habe eseinst seinen Bewohnern als eine unfertige Skizze hinterlassen, die weder Wassernoch Land sei. Und mit gleichem Rechte darf nun dieses Wort auch auf dieangrenzenden deutschen Küsten übertragen werden.
Hier am Saume der großen deutschen Tiefebenen treten uns die Moore in ge-waltiger Ausdehnung entgegen und gestatten der Phantasie, Gegenwart undVergangenheit unseres Planeten ahnend zu verknüpfen, indem sie uns die erd-bildende Kraft der Organismen unmittelbar vor Augen stellen. Hier insbe-sondere eröffnet sich uns zugleich ein annäherndes Verständnis für die großenProzesse, in denen einst aus den Trümmern untergegangener Urwälder dieLager der Steinkohle entstanden.
Denn zuvörderst steht ein Teil der Moore selbst über versunkenem Waldwuchs.Alte Annalisten überliefern, daß einst wüstes Dickicht das Land um die Rhein-mündungen umgab, und gleicherweise lag auch Jütland im Dunkel seinerForsten verloren. Jetzt ist jede Spur davon verschwunden, was nicht das Meerhinabgerissen oder der Flugsand überweht hat, bedeckt das Moor, ja, in denjütischen Mooren erkennt man deutlich, daß ganze Reihen von Baumge-schlechtern dort begraben worden: Espen und Birken lagern im Grunde, überihnen Föhren und Eichen, bis zuletzt die Buche gefolgt ist. Dennoch wird mandie Beispiele der eigentlichen Waldmoore, mindestens solcher, in denen derZerstörung noch immer neue Verjüngung folgt, nicht sowohl an den deutschenKüsten, als vielmehr in den Sumpfwäldern Polens und Litauens und vor allemin den vielgenannten „Teufelssümpfen" zu suchen haben, welche in langemZuge die amerikanischen Südstaaten umgeben. Dort scheinen die Riesen-stämme mitten aus dem Wasser herauszuwachsen: Cypressen und Cederntreten zu hohen Säulengängen zusammen und breiten, überwuchert von Ran-ken virginischen Epheus und wilden Weins, dichte Nacht um sich her, indessenAlligatoren, Schildkröten und Schlangen die Tiefe bevölkern.Wir wiederholen: die deutschen Küsten bieten nichts, was solchen Bildern auch
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