grünen Ufern die nomadischen Tibbos und Tuariks schwärmen, so ist derübrige Teil der Wüste als für den Menschen unbewohnbar zu betrachten. Auchwagen die angrenzenden gebildeten Völker sie nur periodisch zu betreten.Auf Wegen, die der Handelsverkehr seit Jahrhunderten unwandelbar be-stimmt hat, geht der lange Zug von Tafilet bis Timbuktu, oder von Murzukbis Bornu — kühne Unternehmungen, deren Möglichkeit auf der Existenz desKamels beruhet, des Schiffes der Wüste.
Diese afrikanischen Ebenen füllen einen Raum aus, welcher den des nahenMittelmeeres fast dreimal übertrifft. Sie liegen zum Teil unter den Wende-kreisen selbst, zum Teil denselben nahe, und diese Lage begründet ihren in-dividuellen Naturcharakter. Dagegen ist in der östlichen Hälfte des alten Kon-tinents dasselbe geognostische Phänomen der gemäßigten Zone eigentümlich.Auf dem Bergrücken von Mittelasien, zwischen dem Goldberge oder Altai unddem Zung-Ling, von der chinesischen Mauer an bis jenseits des Himmels-gebirges und gegen den Aralsee, in einer Länge von iooo Meilen, breiten sichdie höchsten und größten Steppen der Welt aus. Einige sind Grasebenen, anderemit saftigen, immergrünen, gegliederten Kalipflanzen geschmückt, viele fern-leuchtend von flechtenartig aufsprießendem Salze, das gleich frisch gefallenemSchnee ungleich den Boden bedeckt.
Diese mongolischen und tatarischen Steppen, durch mannigfaltige Gebirgs-züge unterbrochen, scheiden die uralte, langgebildete Menschheit in Tibet undHindostan von den rohen nordasiatischen Völkern. Auch ist ihr Dasein vonmannigfaltigem Einfluß auf die wechselnden Schicksale des Menschenge-schlechts gewesen. Sie haben die Bevölkerung gegen Süden zusammenge-drängt, sie haben mehr als der Himalaja, als das Schneegebirge von Sirinagurund Gorka den Verkehr der Nation gestört und im Norden unwandelbare Gren-zen gesetzt der Verbreitung milderer Sitten und des schaffenden Kunstsinns.Aber nicht als hindernde Vormauer allein darf die Geschichte die Ebene vonInnerasien betrachten. Unheil und Verwüstung hat sie mehrmals über denErdkreis gebracht. Hirtenvölker dieser Steppen, die Avaren, Mongolen, AlanenUnd Uzen, haben die Welt erschüttert. Wenn im Laufe der Jahrhundertefrühe Geisteskultur, gleich dem erquickenden Sonnenlicht, von Osten nachWesten gewandert ist, so haben späterhin in derselben Richtung Barbarei undsittliche Roheit Europa nebelartig zu überziehen gedroht. Ein brauner Hirten-stamm, türkischer Abkunft, die Hiognu, bewohnte in ledernen Gezeiten diehohe Steppe von Gobi. Der chinesischen Macht lange furchtbar, ward ein Teildes Stammes südlich nach Innerasien zurückgedrängt. Dieser Stoß der VölkerPflanzte sich unaufhaltsam bis in das alte Finnenland am Ural fort. Von dorta us brachen Hunnen, Avaren, Chasaren und mannigfaltige Gemische asia-tischer Völkerrassen hervor, hunnische Kriegsheere erschienen erst an derWolga, dann in Pannonien (Ungarn), dann an der Marne und den Ufern des^°> die schön bepflanzten Fluren verheerend, wo die bildende MenschheitDenkmal auf Denkmal gehäuft. So wehete aus den mongolischen Wüsten einv erpesteter Windhauch, der auf cisalpinischem Boden die zarte, langgepflegteBl üte der Kunst erstickte.Kehren wir nun von den Salzsteppen Asiens, von den europäischen Heide-
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