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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Klippe erhebt sich inselförmig in dem unermeßlichen Räume. Nur hier unddort liegen gebrochene Flözschichten von 200 Quadratmeilen Oberfläche, be-merkbar höher als die angrenzenden Teile.Bänke" nennen die Eingeborenendiese Erscheinung, gleichsam ahnungsvoll durch die Sprache den alten Zustandder Dinge bezeichnend, da jene Erhöhungen Untiefen, die Steppen selbst aberder Boden eines großen Mittelmeeres waren.

Noch gegenwärtig ruft oft nächtliche Täuschung diese Bilder der Vorzeit zu-rück. Wenn im raschen Aufsteigen und Niedersinken die leitenden Gestirneden Saum der Ebene erleuchten, oder wenn sie zitternd ihr Bild verdoppeln inder unteren Schicht der wogenden Dünste: glaubt man den küstenlosen Ozeanvor sich zu sehen. Wie dieser erfüllt die Steppe das Gemüt mit dem Gefühl derUnendlichkeit, und durch dieses Gefühl, wie den sinnlichen Eindrücken desRaumes sich entwindend, mit geistigen Anregungen höherer Ordnung. Aberfreundlich zugleich ist der Anblick des klaren Meeresspiegels, in welchem dieleicht bewegliche, sanft aufschäumende Welle sich kräuselt, tot und starr liegtdie Steppe hingestreckt, wie die nackte Felsrinde eines verödeten Planeten.In allen Zonen bietet die Natur das Phänomen dieser großen Ebenen dar, injeder haben sie einen eigentümlichen Charakter, eine Physiognomie, welchedurch Verschiedenheit ihres Bodens, durch ihr Klima und durch ihre Höheüber die Oberfläche des Meeres bestimmt wird.

Im nördlichen Europa kann man die Heideländer, die, von einem einzigen,alles verdrängenden Pflanzenzuge bedeckt, von der Spitze von Jütland sich bisan den Ausfluß der Scheide erstrecken, als wahre Steppen betrachten, aberSteppen von geringer Ausdehnung und hochhügeliger Fläche, wenn man siemit den Ljanos und Pampas von Südamerika oder gar mit den Grasfluren amMissouri und Kupferflusse vergleicht, in denen der zottige Bison und das kleineMoschustier umherschwärmen. Einen größeren und ernsteren Anblick ge-währen die Ebenen im Innern von Afrika. Gleich der weiten Fläche des stillenOzeans hat man sie erst in neueren Zeiten zu durchforschen gesucht: sie sindTeile eines Sandmeeres, welches gegen Osten fruchtbare Erdstriche vonein-ander trennt oder inselförmig einschließt, wie die Wüste am BasaltgebirgeHarudsch, wo in der dattelreichen Oase von Siwah die Trümmer des Ammon-tempels den ehrwürdigen Sitz früher Menschenbildung bezeichnen. Kein Tau,kein Regen benetzt diese öden Flächen und entwickelt im glühenden Schoßder Erde den Keim des Pflanzenlebens. Denn heiße Luftsäulen steigen überallaufwärts, lösen die Dünste und verscheuchen das vorübereilende Gewölk.Wo diese Wüste sich dem Atlantischen Ozean nähert, wie zwischen Wadi-Nunund dem Weißen Vorgebirge, da strömt die feuchte Meeresluft hin, um die Leerezu füllen, welche durch jene senkrechten Winde erregt wird.Selbst wenn der Schiffer durch ein Meer, das wiesenartig mit Seetang bedecktist, nach der Mündung des Gambia steuert, ahnt er, wo ihn plötzlich der tro-pische Ostwind verläßt, die Nähe des weitverbreiteten, wärmestrahlendenSandes.

Herden von Gazellen, schnellfüßige Strauße, durstende Panthertiere und Löwendurchirren in ungleichem Kampfe den unermeßlichen Raum. Rechnet man abdie im Sandmeere neuentdeckten Gruppen quellenreicher Inseln, an deren

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