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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Nesseln. Die dem Wege entgegenstehende Felswand ist unbekleidet, bis aufden Gipfel, den ein Wald krönt. Auf der anderen Seite stehen Bäume aufBäume, wie senkrecht übereinander. Dieser vorbereitende Anblick erstarrt denKommenden. Es ist unmöglich, in der ersten Minute einen Schritt weiter zutun. Endlich ranken die Füße mechanisch fort. Und nun gähnt in der tiefstenTiefe des Kessels die Erde, als wollte sie alle ihre Kinder und das ganze Lebendes Himmels auf einmal verschlingen. Nur die Annäherung zu diesem Schlündedes Schreckens kann mit dem Gedanken, hinein zu treten, vertraut machen.Hier braust kein Fluß, hier fliegt kein Vogel, am Eingange verstummt dasLeben, erblindet der Tag. Aber einige Schritte weiterhin wird das Leben undWirken der Natur in diesen einsamen Werkstätten den menschlichen Sinnenvernehmbar. Von allen Wänden fallen dicke, breite, schwere Tropfen plät-schernd nieder. Man glaubt das Ticken der großen Zeitenuhr zu hören, diePulsschläge der Gebirgsadern oder die Fußtritte der Gnomen zu vernehmen.Säulen streben empor in mancherlei Ordnungen, mit wundersamen Knäufenund Stühlen. Sie tragen seltsame Gewölbe und prächtige Hallen. Bald ver-einzelt, bald in Scharen zusammengedrängt, bilden sie Gänge, Säle und Bogen,Festons, Blumenkränze und mäandrische Gewinde verzieren sie.Hier und da scheinen gewaltige Umwälzungen und fürchterliche Erdbebenden Palast und seine Grundfeste erschüttert zu haben. Gewölbe sind einge-stürzt und Mauern zerspalten. An der Decke hängen Knäufe von Säulen, derenSchäfte nicht senkrecht unter denselben, sondern einen Schritt weit und nochmehr seitwärts darüber hinausragen.

Zwischen den Palästen scheinen weite Gartenanlagen durch die Zeit in Verfallgeraten zu sein, große Kaskaden, die im Augenblick des heftigsten Sturzes undder schäumendsten Brandung ergriffen und in Stein verwandelt worden sind,Bienenkörbe, groß wie weite Säle der Menschen und Zimmer, klein wie ge-wöhnliche Bienenkörbe, Tropf quellen, rieselnde Fäden von Wasser und kleineBäche, die sich in Weiher und Teiche sammeln, ein Heilbrunnen, dessen Wasserden Fieberkranken augenblickliche Genesung gewährt, steigende und sinkendeParterres, Alleen und Irrgärten. Alles zaubert diese Naturspiele zu Palästen,zu Prunkgärten des Königs der Gnomen um. (F. Sartori, Die Naturwunder desösterreichischen Kaisertumes, 1807/1809.)

STEPPEN

Am Fuße des hohen Granitrückens, welcher im Jugendalter unseres Planetenbei Bildung des Antillischen Meerbusens dem Einbruch der Wasser getrotzthat, beginnt eine weite, unabsehbare Ebene. Wenn man die Bergtäler vonCaracas und den inselreichen See Tacarigua, in dem die nahen Pisangstämmesich spiegeln: wenn man die Fluren, welche mit dem zarten und lichten Gründes tahitischen Zuckerschilfes prangen, oder den ernsten Schatten der Kakao-gebüsche zurückläßt: so ruht der Blick im Süden auf Steppen, die scheinbaransteigend in schwindelnder Ferne den Horizont begrenzen.Aus der üppigen Fülle des organischen Lebens tritt der Wanderer betroffen anden öden Rand einer baumlosen, pflanzenarmen Wüste. Kein Hügel, keine

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