mutungen feuriger Geister. Diese Klippe, sage ich zu mir selber, stand schrof-fer, zackiger, höher in die Wolken, da dieser Gipfel noch als eine meerum-flossene Insel in den alten Wassern dastand, um sie sauste der Geist, der überden Wogen brütete, und in ihrem weiten Schöße die höheren Berge aus denTrümmern des Urgebirges und aus ihren Trümmern und den Resten dereigenen Bewohner die späteren und ferneren Berge sich bildeten. Schon fängtdas Moos zuerst sich zu erzeugen an, schon bewegen sich seltner die schaligenBewohner des Meeres, es senkt sich das Wasser, die höheren Berge werdengrün, es fängt alles an, von Leben zu wimmeln.
Aber bald setzen sich diesem Leben neue Szenen der Zerstörungen entgegen.In der Ferne heben sich tobende Vulkane in die Höhe, sie scheinen der Weltden Untergang zu drohen, jedoch unerschüttert bleibt die Grundfeste, auf derich noch sicher ruhe, indes die Bewohner der fernen Ufer und Inseln unter demuntreuen Boden begraben werden. Ich kehre von jeder schweifenden Betrachl-tung zurück und sehe die Felsen selbst an, deren Gegenwart meine Seele er-hebt und sicher macht. Ich sehe ihre Masse von verworrenen Rissen durch-schnitten, hier gerade, dort gelehnt in die Höhe stehen, bald scharf überein-ander gebaut, bald in unförmlichen Klumpen wie übereinander geworfen, undfast möchte ich bei dem ersten Anblicke ausrufen: hier ist nichts in seinerersten alten Lage hier ist alles Trümmer, Unordnung und Zerstörung. — —Da dem Menschen nur solche Wirkungen in die Augen fallen, welche durchgroße Bewegungen und Gewaltsamkeit der Kräfte entstehen, so ist er jeder-zeit geneigt zu glauben, daß die Natur heftige Mittel gebraucht, um große Dingehervorzubringen, ob er sich gleich täglich an derselben eines anderen belehrenkönnte. So haben uns die Poeten ein streitendes, uneinig tobendes Chaos vor-gebildet.
Man hat von dem Körper der Sonne ungeheure Massen abschöpfen, ins Unend-liche schleudern und so unser Sonnensystem erschaffen lassen.Mein Geist hat keine Flügel, um sich in die Uranfänge emporzuschwingen.Ich stehe auf dem Granit fest und frage ihn, ob er uns einigen Anlaß gebenwolle zu denken, wie die Masse, woraus er entstanden, beschaffen gewesen.(Goethe, Über den Granit, diktiert 1784.)
DIE MAGDALENENGROTTE IN KRAIN
Man gelangt zur Magdalenengrotte auf einem steinigen Pfade, an dessen Seitehier und da niedriges Gebüsch die Felsenstücke zum Teil verdeckt. Dann biegtman in einen unermeßlichen Wald, worin nur Stürme und Bären hausen. Einenger, halb verwachsener Fußsteig ist die Spur, der man zu dieser Grotte folgt.Endlich gelangt man zu einem dunkeln, überall mit dichten Baumwänden ge-schlossenen Platze. Wenn man hier auf einer Seite die verworrenen Äste derGesträuche auseinanderzieht und sich einen Weg über einen engen, mit nie-drigem Buschwerk bewachsenen Abhang bahnt, so kommt man bald zu demEingange der Höhle.
Er ist furchtbar erhaben. Man befindet sich in einem kleinen Felsenkessel, denman noch weiter hinabsteigen muß. Den Boden decken Disteln, Dornen und
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