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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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wird jeder, der den Reiz kennt, den natürliche Geheimnisse für den Menschenhaben, sich nicht wundern, daß ich den Kreis der Beobachtungen, den ich sonstbetreten, verlassen und mich mit einer recht leidenschaftlichen Neigung indiesen gewandt habe. Ich fürchte den Vorwurf nicht, daß es ein Geist des Wider-spruches sein müsse, der mich von Betrachtung und Schilderung des mensch-lichen Herzens, des jüngsten, mannigfaltigsten, beweglichsten, veränderlichsten,«rschütterlichsten Teiles der Schöpfung zu der Beobachtung des ältesten,festesten, tiefsten, unerschütterlichsten Sohnes der Natur geführt hat. Dennman wird mir gerne zugeben, daß alle natürlichen Dinge in einem genauenZusammenhange stehen, daß der forschende Geist sich nicht gerne von etwasErreichbarem ausschließen läßt. Ja, man gönne mir, der ich durch dieAbwechselungen der menschlichen Gesinnungen, durch die schnellen Be-wegungen derselben in mir selbst und in anderen manches gelitten habe undleide, die erhabene Ruhe, die jene einsame stumme Nähe der großen leisesprechenden Natur gewährt, und wer davon eine Ahndung hat, folge mir.Mit diesen Gesinnungen nähere ich mich euch, ihr ältesten, würdigsten Denk-mäler der Zeit. Auf einem hohen nackten Gipfel sitzend und eine weite Gegendüberschauend, kann ich mir sagen: Hier ruhst du unmittelbar auf einem Grunde,der bis zu den tiefsten Orten der Erde hinreicht, keine neuere Schicht, keineaufgehäufte, zusammengeschwemmte Trümmer haben sich zwischen dich undden festen Boden der Urwelt gelegt, du gehst nicht wie in jenen fruchtbarenschönen Tälern über ein anhaltendes Grab, diese Gipfel haben nichts Leben-diges erzeugt und nichts Lebendiges verschlungen, sie sind vor allem LebenUnd über alles Leben. In diesem Augenblicke, da die inneren anziehenden undbewegenden Kräfte der Erde gleichsam unmittelbar auf mich wirken, da dieEinflüsse des Himmels mich näher umschweben, werde ich zu höheren Be-trachtungen der Natur hinaufgestimmt, und wie der Menschengeist alles be-lebt, so wird auch ein Gleichnis in mir rege, dessen Erhabenheit ich nicht wider-stehen kann. So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen ganz nacktenGipfel hinabsehe und kaum in der Ferne am Fuße ein gering wachsendes Mooserblicke, so einsam, sage ich, wird es dem Menschen zu Mute, der nur den äl-testen, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seine Seele öffnen will.Ja, er kann zu sich sagen: hier auf dem ältesten ewigen Altare, der unmittelbarauf die Tiefe der Schöpfung gebaut ist, bring ich dem Wesen aller Wesen einOpfer. Ich fühle die ersten festesten Anfänge unseres Daseins, ich überschauedie Welt, ihre schrofferen und gelinderen Täler und ihre fernen fruchtbarenWeiden, meine Seele wird über sich selbst und über alles erhaben und sehntsich nach dem näheren Himmel. Aber bald ruft die brennende Sonne Durstund Hunger, seine menschlichen Bedürfnisse zurück. Er sieht sich nach jenenTälern um, über die sich sein Geist schon hinausschwang, er bemerkt die Be-wohner jener fruchtbaren quellreichen Ebenen, die auf dem Schutte und Trüm-mern von Irrtümern und Meinungen ihre glücklichen Wohnungen aufge-schlagen haben, den Staub ihrer Vorältern aufkratzen und das geringe Be-dürfnis ihrer Tage in einem engen Kreise ruhig befriedigen. Vorbereitet durchdiese Gedanken, dringt die Seele in die vergangenen Jahrhunderte hinauf, sieVer gegenwärtigt sich alle Erfahrungen sorgfältiger Beobachter, alle Ver-

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