der Boden ist sehr reich an sogenanntem Erd- oder Judenpech, auch Asphaltgenannt (daher der obige Name: Asphaltisches Meer). Das Wasser des Seesist ganz mit Salz gesättigt, und man kann es nicht an die Lippen bringen,ohne Schmerzen zu empfinden und aufzuschwellen. Es zieht den Mund wieAlaunwasser zusammen. Pococke erzählt, er habe einst seinen Kopf in denSee gesteckt, worauf sein Gesicht ganz mit einer Salzrinde überzogen wordensei. Der Geschmack des Wassers ist zugleich ekelhaft bitter. Von Zeit zuZeit steigt das Erdpech aus dem Boden nach der Oberfläche des Sees heraufund sammelt sich hier in großen Massen an, die allmählich vom Winde zer-teilt und ans Ufer getrieben werden. Einige Wochen vorher steigen erstickendeDämpfe aus dem See empor, wodurch die Luft verdunkelt und die ganzeGegend umher verpestet wird. Vögel, die zu dieser Zeit über den See fliegen,ersticken und fallen herab. Im Wasser selbst leben weder Fische noch Am-phibien, und wenn dergleichen durch den Jordan oder die anderen Flüssehineingeführt werden, so sterben sie und schwimmen dann auf der Oberflächeherum oder werden ans Ufer getrieben. Wegen des großen Salzgehaltes istdie Schwere des Wassers im Toten Meere um die Hälfte größer als die dessüßen Wassers, daher kann der Mensch ohne Mühe darin schwimmen, ja, erist nicht einmal imstande, darin unterzutauchen. Die Temperatur des Wassersbetreffend, so ist dieses nie kalt, zuweilen sogar heiß. Es wirft versteinertesHolz, durchlöcherte und verkalkte Steine aus. Alles deutet auf vulkanischeArbeiten, die unter dem Boden des Sees noch fortwährend stattfinden.Die älteren Reisebeschreiber erzählen viel von den sogenannten Sodoms-oder Höllenäpfeln, welche an den Ufern des Toten Meeres wachsen sollen.Sie hätten ein rotes, schönes Ansehen, seien aber inwendig voll Asche. Nachneueren Reisenden, zum Beispiel nach Hasselquist, sind sie die Frucht einesstrauchartigen Gewächses, und nur dann voll Staub, wenn sie von der Schlupf-wespe angestochen worden sind, was mit anderen Früchten auch zu geschehenpflegt. Nach Forbin wächst am Toten Meere das Zaggoum und eine Mengeandere Gesträuche, aus denen ein köstlicher Balsam gezogen wird. (JohannGottfried Sommer, Gemälde der physischen Welt, 1826/1831.)
BODEN UND PFLANZEN
Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht oder in seinerPhantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung mißt, so wirkt unterden vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig alsder, welchen die allverbreitende Fülle des Lebens erzeugt. Überall, selbstam beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesänge der Vögel, wie von demSumsen schwirrender Insekten. Nicht die unteren Schichten allein, in welchendie verdichteten Dünste schweben, auch die oberen ätherisch-reinen, sindbelebt. Denn sooft man den Rücken der peruanischen Kordilleren oder süd-lich vom Lemansee den Gipfel des Weißen Berges bestieg, hat man selbst indiesen Einöden noch Tiere entdeckt. Am Chimborazo, fast zweimal höherals der Ätna, sahen wir Schmetterlinge und andere geflügelte Insekten. Wennauch, von senkrechten Luftströmen getrieben, sie sich dahin als Fremdlinge
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