verirrten, wohin unruhige Forschbegier des Menschen sorgsame Schritte leitet,so beweist ihr Dasein doch, daß die biegsamere animalische Schöpfung aus-dauert, wo die vegetabilische längst ihre Grenze erreicht hat. Höher als derKegelberg von Teneriffa auf den schneebedeckten Rücken der Pyrenäen ge-türmt: höher als alle Gipfel der Andenkette schwebte oft über uns der Cundur,der Riese unter den Geiern. Raubsucht und Nachstellung der zartwolligenVikumas, welche gemsenartig und herdenweise in den beschneiten Gras-ebenen schwärmen, locken den mächtigen Vogel in diese Region.Zeigt nun schon das unbewaffnete Auge den ganzen Luftkreis belebt, so ent-hüllt noch größere Wunder das bewaffnete Auge. Rädertiere, Brachionen undeine Schar mikroskopischer Geschöpfe heben die Winde aus den trockenenGewässern empor. Unbeweglich und in Scheintod versenkt schweben sie inden Lüften, bis der Tau sie zur nährenden Erde zurückführt, die Hülle löst,die ihren durchsichtigen wirbelnden Körper einschließt, und (wahrscheinlichdurch den Lebensstoff, den alles Wasser enthält) den Organen neue Erreg-barkeit einhaucht.
Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der Luftkreis auch zahllose Keimekünftiger Bildungen, Insekteneier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-und Federkronen zur langen Herbstreise geschickt sind. Selbst den belebendenStaub, den bei getrennten Geschlechtern die männlichen Blüten ausstreuen,tragen Winde und geflügelte Insekten über Meer und Land den einsamenweiblichen zu. Wohin der Blick des Naturforschers dringt, ist Leben oderKeim zum Leben verbreitet.
Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das wir getaucht sind, und überdessen Oberfläche wir uns nicht zu erheben vermögen, vielen organischenGeschöpfen zur notwendigsten Nahrung, so bedürfen dieselben dabei dochnoch einer gröberen Speise, welche nur der Boden dieses gasförmigen Ozeansdarbietet. Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den kleineren Teil bildet dietrockene Erde, unmittelbar von Luft umflossen, den größeren Teil bildet dasWasser, vielleicht einst vor Jahrtausenden durch elektrisches Feuer ausluftförmigen Stoffen zusammengenommen und jetzt unaufhörlich in der Werk-statt der Wolken wie in den pulsierenden Gefäßen der Tiere und Pflanzenzersetzt.
Unentschieden ist es, wo größere Lebensfülle verbreitet sei, ob auf dem Kon-tinent, oder in dem unergründeten Meere. In diesem erscheinen gallertartigeSeegewürme bald lebendig, bald abgestorben als leuchtende Sterne. IhrPhosphorlicht wandelt die grünliche Fläche des unermeßlichen Ozeans in einFeuermeer um. Unauslöschlich wird mir der Eindruck jener stillen Tropen-nächte der Südsee bleiben, wo aus der duftigen Himmelsbläue das hoheSternbild des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr mildes plane-tarisches Licht ausgössen, und wo zugleich in der schäumenden Meeresflutdie Delphine ihre leuchtenden Furchen zogen.
Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser verbergen zahllose Ge-würme von wunderbarer Gestalt. Unserem Auge fast unerkennbar sind dieZyklidien, die gefransten Trichoden und das Heer der Naiden, teilbar durchAste, wie die Lemna, deren Schatten sie suchen. Von mannigfaltigen Luft-
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