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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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diese seltsamen Spiele der Natur mit einer unerhörten Kühnheit dar. Hiersind hangende Gärten, dort künstliche Pfeiler und Säulenordnungen vonBeryll und Smaragd, hier ungeheure, freie, durch nichts unterstützte Gewölbeund in der höchsten Luftregion die längsten Brücken. Hier Städte mit Schlös-sern und Türmen, dort Schiffe mit vollen Segeln, so ähnlich den wirklichenin der Ferne, daß Schiffer sich zuweilen von ihrem Laufe entfernen und dieArbeit verdoppeln, um dies vom Froste erbaute Schiff zu erreichen. HierRuinen, dort Abgründe, hier Höhlen, in die kein Sonnenstrahl dringt, dortunabsehliche, ins Unendliche sich verlierende Flächen. Das mutwilligsteFarbenspiel entzückt zugleich. Die blendende, stechende Weiße des Schneeswechselt dort mit einem völlig durchsichtigen Kristall, der ganz wie ein Prismawirkt und im hellen Schein der Sonne alle Regenbogenfarben um sich streut.Oft, gemeiniglich gegen die Oberfläche der See, ist das Eis von einem schönenSaphir- oder vielmehr Beryllblau gefärbt. Einige Hügel sehen grau undschwarz aus und sind bis oben zu mit Erde, Steinen und Reisig vermengt.Hier und da starrt ein Baumstamm hervor, und das getäuschte Auge glaubtein mit Pflanzen bedecktes Gebirge wandeln zu sehen. Kurz, was nur diefeurigste und verwegenste Einbildungskraft von einem Feenlande erwartenkönnte, ist hier verwirklicht. Selbst an organischen und lebenden Wesenfehlt es nicht. Diese Städte und Schlösser und hingezauberten Felder werdenvon Robben bewohnt, die im Winter auf dem Eise liegen, von Eisbären durch-strichen, die auf ihnen von einem Weltteile zum anderen wandern, und voneiner zahlreichen Menge Eis- und Sturmvögeln belebt, die sich an den Teichenvon süßem Wasser, welche aus geschmolzenem Schnee und Regen entstandensind, nähren. Bisweilen entstehen eben dadurch unvermutete Wasserfälle,indem die Einfassung eines höher gelegenen Teiches zerreißt: auf eine kurzeZeit rieseln Bäche und springen Quellen, bis alles wieder stillsteht. (Kant,Physische Geographie, 1801.)

DAS TOTE MEER

Unter die merkwürdigsten, nicht nur der asiatischen, sondern aller Seenüberhaupt, gehört das sogenannte Tote Meer in Palästina, auch das Salzmeer,der Salzsee, das Asphaltische Meer genannt. Nach der Erzählung der HeiligenSchrift entstand dieser See durchFeuer und Schwefel", welche Jehovahvom Himmel herab auf die gottlosen Städte Sodom und Gomorrha regnenließ. Mehrere Flüsse, der Jordan, Saphia, Jared, Arnon und Kidron ergießensich in das Tote Meer, aber es hat keinen sichtbaren Abfluß und verliert dasüberflüssige Wasser bloß durch die Ausdunstung. Das Wasser ist gewöhnlichklar und wird nur zuweilen durch die einströmenden Flüsse getrübt. Aufdem Boden will man noch jetztdoch nur bei niedrigem WasserTrümmerder untergesunkenen Städte bemerken: eine Reihe von Säulen, die auswendigweiß, inwendig wie Kohlen schwarz und mürbe sein sollen. Forbin erwähnteines Haufens unförmlicher Trümmer, auch eines Turmes und einiger Säulen,die man für Überbleibsel der schuldvollen Städte halte. Rings um den Seefindet man in der ganzen Gegend Spuren eines vormaligen Erdbrandes, und

4 Wolters, Der Deutsche. V, 1. «

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