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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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leitet. Jener ist in seinem Reiche ein ruhiger Gebieter, der seine Macht be-festigt und sein Hauswesen wohl geordnet hat; der Alpenwald ist ein rastlosRingender, dem man es an tausend Wunden ansieht, daß er mit einem starkenGegner in stetem Kampfe liegt.

Hier oben herrschen die Naturgewalten, Lawinen und Erdrutsche, Hoch-gewitter und Runsen und der Winde zügelloses Heer. Und gegen alle dieseFeinde hat der Wald kaum Fläche genug, um festen Fuß zu fassen. Mühsambohrt er seine Wurzelanker in die Felsenklüfte und streckt seine zerzaustenHäupter über gähnende Abgründe oder duckt sich in Talkesseln, wo der grüneAlpsee sein Bild abspiegelt.

Liegt auch dieser wunderreiche Kampfplatz, wo das Leben mit Zerstörungund Vernichtung ringt, großenteils auf schweizerischem Boden, so fällt dochein gutes Teil auf das deutsche Gebiet, und brauchen wir denn, ja, dürfen wirdie von Menschen gemachten Grenzen anerkennen, wo es sich um Zusammen-gehöriges nach dem Gesetz der Natur handelt ? Haben wir ja doch nach deruns klar gewordenen Bedeutung des Waldes ein Eigentumsrecht an demWalde der Schweizer, und die Bündner sündigen auch an uns, wenn sie ihreAlpenwaldungen verwüsten; denn sie berauben Rhein und Donau und gebenihnen Steine für Wasser. (E. A. Roßmäßler, Der Wald, 1871.)

DER STAUBBACHFALL

Die erste Bedingung zum Vollgenuß ist Sonnenglanz, und dieser währt an denlängsten Sommertagen von ungefähr 7 Uhr des Morgens bis halb 1 Uhr desMittags. Nicht nur die Regenbogen im Kessel, wo die zerstobenen Wasser sichsammeln, auch die fliegenden Wasserflocken in der Luft bedürfen des Sonnen-scheins.

Man schreitet gewöhnlich vom Gasthof oder vom Pfarrhause zuerst nach derStelle hin, wo der Bach zu Boden regnet, als wollte man erst ihn fühlen, bevorman ruhiger ihn betrachte. Am linken Ufer des Baches, durch Erlen, wandertman, von der Straße, die nach dem tiefen Tale führt, rechts abgehend, hinaufund fühlt sich bald auch bei wolkenlosem Himmel in einem Regenschauer,gegen den man sich selbst mit Schirmen verwahren mag. Etwas mühsamerklimmt man den Hügel von Felstrümmern, den der Bach sich links vonseinem Niedersturze gebildet hat und schaut hinab in ein weites Becken,das unablässig von tausendfachem Schaumgekräusel wimmelt. Auch jenseitserblickt man Schutthaufen, die von oben heruntergeworfen sind, und nichtohne Verwunderung sieht man den Bach zwischen diesen zwei aufgestapeltenBollwerken im freien Durchgang davon rieseln. Kennbar rührt die Tiefe seinesBeckens und diese Öffnung nach der Lütschine von der Gewalt der Wasser-masse her, die nach Gewittern und bei großer Schneeschmelze hier im Mittel-punkte des Falles Raum geschafft, ohne doch die Hügel rechts und links zuvermindern.

Schreitet man auf die rechte Seite des Kessels, so findet man es leicht, dorthinabzugelangen in den Umfang desselben, und alsbald wird man von einemdoppelten Regenbogen umringt, der gleich einem angeworfenen Nimbus so

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