„Freien am Rhyn". So nannten sich die deutschen Bewohner dieses aller-äußersten Rheintales, des sogenannten Rheinwaldes. Sie wohnen bis zu denQuellen des Rheins, bis zum Hinterrheingletscher hinauf, und ihr Hauptortist Splügen. Sie sollen von einer uralten Kolonie Deutscher abstammen,welche ein deutscher Kaiser, man sagt Friedrich der Rotbart, hier am Splügenals treue Wächter des Passes ansiedelte. Diese Deutschen des Rheinwaldesbilden in ihren Dörfern Suvers, Splügen, Medels, Hinterrhein und so weiterein kleines Staatswesen für sich und sind rundherum durch romanische Tälervon den übrigen Deutschen gesondert und isoliert. Sie kommen aber als die„Freien am Rhyn" schon sehr früh in der Graubündner Geschichte vor undwerden auch mit unter denen genannt, welche die ersten Bündnisse der„Grauen" mit beschworen, Bündnisse, die dauern sollten „solange als Grund
und Grat stehen".--------
„Splügen" oder „Speluga" soll seinen Namen von dem lateinischen „specula"(Wachtturm) haben. Manche deuten dies auf einen dicken, alten Turm, dernoch auf der Höhe des Passes steht, und der, wie viele ähnliche alte Hoch-alpengemäuer, aus der Lombardenzeit herstammen soll, den aber andere fürein Römerwerk halten. Auch im Tale selbst, nahe beim Dorfe Splügen, liegenÜberreste eines alten Schlosses, welches nun die letzte Ritterburg in demganzen an Ritterburgen so reichen Rheintale ist. Ganz in der Nähe vonSplügen, wenige Stunden weiter westwärts, erblickt man die Höhen des Adula,den Piz Val Rhein und das Moschelhorn, aus deren Eishöhlen die Quellen desRheins hervorrauschen. Ich ließ von hier aus meine Gedanken längs der weitsich hinstreckenden Tal- und Landschaften des großen Stromes hingleiten,gedachte aller der schönen großen und kleinen Städte, deren Mauern erbespült, und war froh, daß ich einst auch das andere Ende dieses Stromesgesehen hatte in Holland, wo er sich in den Dünen verliert. Von dieser eisigenGletscherurne im Rheinwald bis zu der hölzernen Schleuse innerhalb der hol-ländischen Dünen, welche lange Perlenschnur von Städten, welche schöneKette anmutiger Landschaften, welche Kontraste der Natur, die batavischenund die Rhätischen Alpen! (J. G. Kohl, Alpenreise, 1849/1851.)
WALD UND QUELL
In allen Erdteilen hat man Beobachtungen gesammelt, aus denen unzweifel-haft hervorgeht, daß der Reichtum der beständigen Quellen unmittelbar vonder Bewaldung der Höhen abhängig ist. Man sah in zahlreichen Fällen nachdem Abtreiben der Waldung die Quellen ausbleiben, ja, in einigen Fällen sah
man nach erfolgter Wiederbewaldung die Quellen aufs neue fließen.--------
Der stille Tannenbestand, in dessen säulengetragenen Wipfeln wir unten dasFlüstern der Abendluft kaum hören, der leuchtende Buchenwald mit seinenweißen Schäften, der schwermütige Fichtenbestand, der die kerzengeradenStämme bis zum Boden hinab verhüllt — sie alle sind die Hochwächter desLebens und Gedeihens der Ebene.
Wir steigen nun noch höher hinauf, und wir haben sehr aufzumerken, umdie Grenze wahrzunehmen, die uns aus dem Gebirgswalde in den Alpenwald
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