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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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dabei ist er stellenweise zwischen so steile und eng zusammenstehende Wändeeingeklemmt, daß er mehrmals ganz darunter verschwindet. Es ist daherunmöglich gewesen, mit der Straße ebensoweit in die Tiefe hinabzugehen,wie der Fluß selbst. Und eigentlich schlängelt sie sich daher in der Mitte derHöhe der Schlucht längs der Wände des Spaltes hin, bald auf dieser, baldauf jener Seite des Flusses sich anhängend, bald auf wundervollen Brückenüber den Abgrund, in dessen versteckten Tiefen der Rhein braust, hinüber-setzend, bald durch Felsenriegel sich Tore und Höhlengänge grabend, baldauf Vorsprünge und Absätze frei hinaustretend, bald auf künstlichen Mauer-gewölben am Abhänge schwebend. Der grüne Rhein ist unten 300 bis 400 Fußtief auf dem Boden der Spalte versteckt. Zuweilen sieht man frei bis auf seineschäumende Oberfläche hinab. Zuweilen kann man selbst auf den Brückenstehend zwischen allen den vortretenden Felsenköpfen, die sich von beidenSeiten her ineinander verzahnen und verkeilen, nur ein grünes oder weißesStreifchen von ihm erkennen. Man fährt nahe an zwei Stunden zwischenden wundervollsten Szenen aufwärts, bis dann auf einmal der Rhein sich ausder Tiefe wieder hervorhebt, die Schlucht sich rechts und links erweitert undein flacher Talboden sich herbeiläßt, auf dem man dann bequemlich hinein-rollt in das weidenreiche Schamser Tal durch die Dörfer Zillis, Andeer undandere. Die alten Kaiser und Ritter aber blieben immer oben auf dem Berg-plateau, auf ihrerguten Straße", und durchzogen die Reihe der oberenSchamser Dörfer Lohn, Motton und Donat, da sie einmal oben waren und esnun zu unbequem fanden, erst wieder ins Tal hinabzusteigen, mit dem ihrWeg sie allmählich ganz von selbst wieder zusammenführte in den wildenPaß der Roflen oder la Rofla.

Diese Rofla, durch die man aus dem Schams ins Rheinwaldtal hinaufgeht,ist etwas ähnliches wie die Via mala zwischen dem Domleschg und demSchams, ein Gebirgsriegel-Durchbruch von einer Talstufe zur anderen.Der Rhein setzt zuweilen in schönen Kaskaden, zuweilen in tiefen Klüftenschäumend, zuweilen ungesehen, aber überall gehört, hindurch. Es tempelnsich hier Massen auf Massen. Die Wildnis ist unsäglich. Was die Natur nurSchreckliches oder Erhabenes in Felsenformen oder Felsenfratzen hervor-bringen kann, das hat sie hier in hundert und aberhundert Szenen dargestellt.Wie auf einer Blumenwiese unerschöpflich im Anmutigen, so scheint sie hierunerschöpflich sein zu wollen im Wilden. Blickt man in die Tiefe, so steigenhier schaurige Gründe, der eine noch tiefer als der andere, hinab. Schautman in die Höhe, so überbietet ein kahler Felsenkopf den anderen, eine ödeWand hängt über der anderen. Manche dieser Wände sind auf weite Streckenhin mit zerstörten Wäldern bedeckt. Sei es, daß ein Waldbrand hier auf-räumte, oder daß ein Wirbelwind die Bäume umknickte. Niemand kann hierden Waldbränden Einhalt tun, ja, keiner gibt sich auch nur einmal die Mühe,die Holzernte, welche der Wind fällt, zu sammeln. Modernde Baumstämme,chaotisch durcheinander geworfen, hängen oft stundenweit an allen Abhängenübereinander!

Zuletzt kommt man noch durch ein Felsentor, Sasaplana genannt, undschreitet dann endlich wieder in einem oberen Tale fort, dem alten Tal der

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