stärkte sich aber, sooft man in den Eimer mit der Hand oder mit einem Steckenrührte. Im ersten Fall blieb zuweilen ein solches phosphorisches Fünkchenam Finger sitzen, kaum war es so groß als der kleinste Nadelkopf. Das ge-ringste Vergrößerungsglas gab die kugelförmige Gestalt und etwas bräunlicheFarbe dieser gallertartigen, durchsichtigen Pünktchen zu erkennen. Unterdem Mikroskop entdeckte man eine sehr feine Röhre, welche von einer rundenMündung an der Haut ins Fleisch oder in das Innere dieses kugelrundenGeschöpfes ging. Das Eingeweide bestand aus vier bis fünf ganz kleinenSäcken, welche mit der obenbenannten Röhre in Verbindung zu stehenschienen. Das stärkste Vergrößerungsglas zeigte nichts mehreres, sondernobiges nur noch deutlicher. Ich wünschte nur noch eines dieser Pünktchenin einem Wassertropfen unter das Mikroskop zu bringen, allein ich konntekein lebendiges mehr bekommen; ehe ich sie mit dem Finger ablösen konnte,starben sie wegen ihrer äußerst zarten Struktur. — Am 22. November, alswir das Vorgebirge der guten Hoffnung verließen, bemerkten wir die näm-liche Erscheinung bei sehr starkem Winde. Gewiß, der Anblick des unermeß-lichen Weltmeeres mit Myriaden kleiner Stäubchen angefüllt, denen derSchöpfer Leben, Bewegung und Wanderungskraft, nebst dem Vermögenerteilt, im Finstern entweder zu leuchten, oder ihr Licht nach Willkür zurück-zuhalten und alle Körper, die sie berühren, zu erleuchten — ein solcherAnblick muß mehr Erstaunen und Ehrfurcht erwecken, als man mit Wortenausdrücken kann. (Johann Reinhold Forster, Reisetagebuch, 1772.)
ERDBEWEGUNG UND FLUSSUFER
Schon Pallas bemerkte, daß in Rußland die Flüsse ein mehr abschüssigesund daher höher erscheinendes Ufer auf der rechten Seite und flacheres aufder linken Seite haben. Diese Bemerkung ist seitdem von allen Reisenden,welche auf die Erdbildung achtgaben, wiederholt worden. Derselbe Unter-schied ist dem Volke viel früher aufgefallen; denn es nennt die rechte Seitedes Flusses die Bergseite und die linke die Wiesenseite, weil auf dieser einüppiger Graswuchs zu sein pflegt, da bei höherem Wasserstande, möge diesernun im Frühling eintreffen oder im Sommer, die linke Seite überschwemmtwird und üppigen Graswuchs produziert. In der Tat ist bei fast allen größerenFlüssen, wenigstens im Mittellauf derselben, häufig auch im unteren, derUnterschied sehr auffallend. Das rechte Ufer ragt um mehrere Klafter, zu-weilen um zwanzig und mehr über den Wasserspiegel empor, wogegen dasinke Ufer sich nur unbedeutend über diesen Spiegel erhebt. Das gilt von derolga, der Düna und Dwina, aber auch vom Dnjepr, Don, Ob, der Lena,Kolyma und so weiter. Es ist auch, wie man mir versichert hat, am Amurbemerklich. Bei der Allgemeinheit dieser Erscheinung kann man nichtzweifeln, daß sie eine physische Ursache haben müsse. Nun strömen einige dergenannten Flüsse von Norden nach Süden, andere von Süden nach Norden.Bei den ersteren liegt das hohe Ufer nach Westen, bei den anderen nachOsten, in beiden Fällen ist es aber für die Strömung das rechte Ufer. DieserUmstand schon muß es sehr zweifelhaft erscheinen lassen, daß der Wind,
39