sanften Linien ist die Gestalt der Meeresbewohner hinabgeleitet! Der Fischschwebt und wiegt sich auf seinen Meeresflügeln und schießt hinunter undfährt hinauf und streicht und steuert. Ein unerreichbares Urgebilde leben-diger Schiffsbaukunst. Betrachten wir dabei seine Empfindungswerkzeuge,das farbenreiche Auge, mit dem er in seinem gläsernen Hause hinauf, hinabzu allen Seiten sieht und in seinem Element alle Gegenstände runder, größerwahrnimmt, von innen seine zarte Struktur, von außen, bei so vielen Gat-tungen, die glanzreichen kunstvollen Schuppen und Farben: so scheint er uns,was er auch ist, eine lebendige Darstellung des silbernen Meeres selbst zu sein,das sich in ihm nicht etwa nur abgespiegelt, das sich verkörpert in ihm hatund wenn man so sagen darf, sich in ein Gefühl seiner selbst verwandelt.,,Es rege sich", sprach die Stimme der Schöpfung, „das Weltmeer mit Lebenund Bewegung, und es geschah also." Das lebensschwangere, immer beweg-liche Element mit allen seinen lebendigen Kräften fuhr zusammen, wasFühlbarkeit in ihm war, ward organisiertes Gefühl, lebendige Gestaltung,eine dieser Wasserwelt harmonische, tätig-genießende Empfindung. Diekleinste Silberschuppe auf dem Rücken des Fisches, wie die ganze Sym-metrie seines Baues, alles, was an ihm ist und zu ihm gehört, ist Ausdruckdessen, was er Kraft seines Elementes sein konnte, lebendige Darstellungseines innern und äußern elementarischen Daseins in Verhältnissen, Kräften,Gliedern. (Herder, Kalligone, 1800.)
MEERESLEUCHTEN
Kaum war es dunkel geworden, so schien die See gleichsam überall in vollemFeuer zu stehen: jede Welle, die sich brach, hatte einen leuchtenden Saum,und wo das Schiff die See berührte, zeigten sich Streifen von phosphorischemLichte. Soweit das Auge in die Ferne reichte, stellte sich uns überall dieselbeErscheinung dar, und selbst die Abgründe des unermeßlichen Ozeans schienenmit Licht geschwängert. Große leuchtende Körper, die wir aus der Gestaltfür Fische erkannten, schwammen um uns her. Einige näherten sich demSchiffe und hielten denselben Strich, andere entfernten sich seitwärts, schnellwie Blitze. Zuweilen näherten sie sich untereinander, und traf sichs, daßein kleiner einem großen zu nahe kam, so kehrte jener eilends zurück undsuchte auf alle Art zu entkommen. Ich ließ einen Eimer voll dieses leuchten-den Wassers zur näheren Untersuchung heraufziehen und fand darin un-zählige, ganz kleine leuchtende Kügelchen, welche sich unglaublich schnellbewegten. Nachdem das Wasser eine Zeitlang ruhig gestanden hatte, schiendie Zahl der leuchtenden Körperchen merklich verringert. Kaum aber rührteoder bewegte man wieder das Wasser, so ward es wieder hell, und die kleinenFunken fuhren darin sehr lebhaft in allerlei Richtungen umher, auch selbstnachdem es wieder allmählich still geworden war. Wir hatten den Eimervermittelst eines Stricks von der Decke herabhängen lassen, um die Bewegungdes Schiffes zu vermeiden und das Wasser recht ruhig werden zu lassen.De mohngeachtet bewegten sich diese Lichtstäubchen hin und her, so daßman von ihrer willkürlichen Bewegung überzeugt ward. Das Funkeln ver-
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