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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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alle Meeres- und Flußarme füllen sich bis an den Rand der Deiche. UnserSchiff hebt sich mächtig in die Höhe und scheint als dominierender Riesedurch die Gegend zu fahren. Wir schauen über die Dämme hinweg ins Inneredes tiefen und niedrigen Landes hinein, das allmählich untergehen zu wollenscheint. Da überall sich die Wassertiefen um 10 bis 15 Fuß Dicke vermehren,so werden Gräben, die einige Stunden zuvor kaum ein Boot zu tragen ver-mochten, selbst für große Fahrzeuge schiffbar. Alle Schiffe, welche die Ebbeauf den Sand setzte und die, schief auf die Seite gebeugt, traurig dalagenwie Fische, die der Sturm ans Land warf, richten sich gemach wieder emporund erholen sich allmählich. Endlich lösen sie sich völlig aus dem klebrigenBoden und schweben beweglich und schwankend empor auf dem klarenElemente, wie flüchtende Enten, die vom unbequemen Festland auf denglatten Teich sich gerettet. Nun wird in allen Häfen und an allen Uferngerüstet.

Schiffe aller Größe und Arten spannen die Segel auf, lösen sich vom Strandeund tragen ihre Reisenden, ihre Waren, ihre Botschaften von Ufer zu Ufer.Auch die großen Seefahrer, die vor den Mündungen der Ströme den Momentder Fluthöhe erwarteten, ziehen landeinwärts und schwimmen mit gebauschtenSegeln und vollem Wasser in die sicheren Tore des Festlandes. (J. G. Kohl,Reisen in den Niederlanden, 1850.)

GESTALTUNGEN DES MEERES

Wasser ist ein schweres Element, dichter als die Luft, immer beweglich. Diezarten Umrisse und Biegungen, die der Baum mit seinen Blüten und Zweigenin der freien Himmelsluft gewann, wird man unter den Wellen in dem Ab-grunde nicht erwarten, wo nach des Sylphen Ariels Liede allesverwandeltwird zu Korallen und Perlen". Auf geharnischte Formen also, auf wunder-bare und, wo es die Bildungsstätte zuließ, auf schöne Wölbungen, alle mitdem lebendigen Begriff ihrer örtlichen Bestandheit gezeichnet, werden wiruns Rechnung machen dürfen. Die äußersten Regionen, wo Erde und Meersich mischt, zeigen, wie in andern Übergängen zweier Naturreiche ineinander,so auch hier in unserem Gefühl Doppelartiges, mithin dem ersten AnblickHäßliches, Fremdes. Und doch sind auch diese Übergänge, wenn man sienäher betrachtet und sich an ihren Anblick gewöhnt, äußerst leise, demzwiefachen Element harmonisch geordnet. Die Schildkröte, der scheußlicheKrokodil, andere Amphibien, die uns so widerlich, so schrecklich erscheinen,

sind, wie mit dem Kompaß in der Hand, für ihre Elemente gebildet.-------

Schone Gebilde des Meeres dünken uns alle zu ihrer Wirklichkeit, das istzum Leben in ihrem Element, rein und frei und froh gebildete Gestalten.Als lebendige Fahrzeuge, als Schwimmer erscheinen sie uns, wo Schiff undSchiffer eins ist, durch die Wellen hindurch gleitend. Ihre verteidigendenInstrumente hat die Natur meistens dahin gelegt, wo das bewehrte Geschöpfsich Bahn macht und die Wellen durchschneidet, obgleich oft auch Seitenund Rücken des lebendigen Schiffes im freien Element des Wassers ganzgerüstet und bewehrt wurden. Außer diesen Waffen der Not aber, in wie

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