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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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Insel, an der wir vorüberfuhren, umgab sich mit einem breiten Gürtel vonVorland, das sich sofort, wenn auch nur für einige Stunden, mit Menschenbevölkerte, die den Krabben und anderen im Schlamme zurückgebliebenenSeetieren nachstellten. Als wir in die Oster-Scheide hineinsegelten, tauchtenlange Strecken des einst untergegangen Teiles von Süd-Beveland wie Ge-spenster aus dem Grunde auf. Man bezeichnete uns die Stellen im Schlamme,wo einst die blühenden Orte Kreeck, Nieuwkerke, Skodde und andere lagen.Die Seedeiche scheinen riesenhoch zu wachsen, die Bollwerke, Brückenund Pfahlreihen der Häfen steigen mit langen Piedestalen empor, die Schiffesinken mit dem Wasser herab und verstecken sich in den hochuferigenRinnen.

Die Fahrt in unserem Inselarchipel bis Rotterdam dauerte zwölf Stunden.Wir wurden daher unterwegs auch wieder von der zurückkehrenden Fluterreicht und hatten Gelegenheit, die umgekehrten Erscheinungen, die Phä-nomene der Flut, zu beobachten. Zuerst entsteht eine Art von Stillstand inden Strömen. Es scheint, als wären alle während der Ebbe so rasch eilendenFlüsse plötzlich in stagnierende Seen verwandelt. Allmählich aber kommtwieder Leben und Regsamkeit in die versiegenden Gewässer, die im niedrigenSchlamme dahinsterben zu wollen schienen. Doch kommt diese Bewegungnun von der entgegengesetzten Seite. Das Meer drängt erst leise rückwärts.Die süßen Gewässer, welche aus dem Innern des Landes her sich einen Aus-gang erringen wol en, geraten mit ihm in Streit. Aus diesem Streit entstehtan vielen Punkten eine Menge von WirbelnWalen", wie die Kinderdes Landes sie nennen, die erst klein sind, aber immer mächtiger sichschwingen, je größer der Andrang des Meeres wird. Endlich siegt Okeanos.Seine Schulter hebt sich gewaltig, und er zieht siegreich zu allen Toren desLandes ein. Es ist, als wollte er seine ihm tributpflichtigen Flüsse zu Paarentreiben. Sie müssen weichen, und wie bei Aeneas' Ankunft in Latium der Tiber

rückwärts ebnete der Wellen Erguß",

so fliehen sie alle landeinwärts den Bergen zu. Alle kleinen und großenKanäle des Landes füllen sich mit flüssigem Stoff. Alle anderen schwellenbis an den Rand. Man erinnert sich des Briefes von Plinius, wie er das all-mähliche Zusickern und Wachsen des Wassers in einer periodischen Quelleam Comersee so interessant beschreibt, und man staunt, dasselbe interessanteSchauspiel hier auf eine großartige Weise und tausendmal vervielfältigt vorsich zu haben. Die weiten, kahlen Sandbänke schmiegen sich gemach wiederunter die feuchte Decke des Ozeans, zu dessen Gebiet sie gehören, zurück,wie Untertanen sich den Armen ihres Herrschers fügen. Die Menschen, dieFischer, Austern- und Krabbensucher, die Strandspaziergänger, die für einpaar Stunden dieses Terrain in Besitz nahmen, ergreifen die Flucht undverbergen sich hinter ihren Dämmen und Deichen. Die Inseln, deren Außen-und Vorwände verschwinden, schmelzen auf die Hälfte ihres Territoriumszusammen. Kleine Landesteile, die noch soeben mit dem Festlande zu-sammenhingen, lösen sich und werden zu Inseln. Die Hafenbäume der Städte,vorher riesengroß, schrumpfen fast zu nichts zusammen. Alle Gräben, Kanäle,

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