daß die Menschen in laute Klagen ausbrechen und Tiere bis zum Tollwerdengereizt werden.
Da dieser Wind tödlich werden kann, hat man ihm giftige Eigenschaftenzugeschrieben, und man sucht sich auf jede Weise gegen ihn zu verwahren,verläßt die Wohnung nicht, verhängt die Öffnungen derselben so viel alsmöglich mit Decken, die immerfort naß gehalten werden. Giftig ist er jedochnicht, er tötet nur dadurch, daß der feine Staub, welchen der sich ihm Aus-setzende notgedrungen einatmet, die Lunge erfüllt und ihrer Eigenschaft,Sauerstoff aufzunehmen und Kohlensäure fortzuschaffen, beraubt. Im Gegen-teil ist er gegen manche Krankheiten, gallige, faulige, pestartige Fieber undVerderbnis der Säfte von heilsamer Wirkung: Schiffe, welche kranke Sklavenam Bord haben, suchen die Küsten in der Gegend des Senegal auf, um siedort auszuheilen, was am sichersten zur Zeit des Harmattan geschieht.Im übrigen ist derselbe doch von sehr verderblicher Wirkung. Gras undKräuter welken und werden auf der Narbe zu Heu, die Blätter der Bäumewelken und werden in wenig Tagen so trocken, daß man sie zwischen denFingern zerreiben kann.
Ähnlich diesem Ostwinde ist in Ägypten und Arabien der Westwind, welcherdort Chamsin heißt (Samiel, Samum, Smum in Ägypten und an der Nord-küste von Afrika, woselbst er wiederum ein Südwind ist), allein er wirdhäufig dem Namen nach mit einem anderen, aus Südwesten kommendenverwechselt, welchen man bald Chamsin, bald Harur nennt, dieser, welcheraus den Wüsten von Afrika über das sumpfige Niltal her wehet, sich vielleichtmit dem Südwinde aus der großen arabischen Wüste mengt, wird für giftiggehalten. Die Einwohner bedecken sich den Kopf mit ihrem zu diesem Be-huf e allein dienenden Kefieh, einem wollenen Tuche, das von ihnen stattdes Turbans gebraucht, bei dem heißen Winde aber um das Gesicht ge-schlungen wird.
So atmend, behält man seine eigene Feuchtigkeit, das Tuch selbst wird vondem Hauch des Mundes bald naß und hindert das Eindringen des Staubesin die Lunge. Wer diese Vorsichtsmaßregel vernachlässigt, wird leicht einOpfer seiner Unvorsichtigkeit. Die Araber und die Wüstenbewohner über-haupt pflegen daher, wenn sie im Freien schlafen, nicht bloß das Tuch,sondern ihren weiten wollenen Mantel, den Mechlah, im Grunde auch nurein wollenes Tuch, jedoch viel größer, nicht über den ganzen Körper, sondernvorzugsweise über den Kopf und das Gesicht zu decken, um so den sie mög-licherweise überraschenden Wirkungen des heißen, giftigen Windes zuentgehen.
Die Behauptung, daß dieser Wüstenhauch tödlich sei, motivieren die Araberdadurch, daß sie behaupten, der Körper eines von dem Chamsin Getötetengehe äußerst schnell in auflösende Verwesung über, so daß schon nach zweiStunden der Arm, das Bein sich von dem Körper, aus den Gelenkfugen trennt,als ob das Glied nur neben dem Leibe gelegen, nie ein Teil desselben ge-wesen sei.
Ganz entgegengesetzt diesen Behauptungen wird von den Beduinen erzählt,daß ganze Karawanen, welche in der großen Wüste von diesem Winde er-
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