Himmel aber leuchten die Sterne, zwar viel klarer, aber auch viel stiller als beiuns, sie funkeln selten, auch in der Nähe des Horizonts nicht, die nach Südengelegenen schönen Sternbilder, wie der Orion und der Skorpion, steigen natür-lich viel höher auf und leuchten über dem Haupte des Schiffenden oder durchdie dunkeln Zweige der Orangen in den Gärten. Sind die Nächte oft von kri-stallener Klarheit, so wird umgekehrt in der blendenden Lichtfülle des Mittagsdie Welt gleichsam dunkel, die Flächen der Mauern und Häuser erscheinenwie schwarz, der Schatten der Bäume fällt fast kreisrund um den Stamm. Allesist still: Pan, der große Naturgott, schläft, selbst die Flußufer rauschen nicht,vom Himmel sendet Phöbus Apollo dieselben giftigen Pfeile, mit denen er einstdas Lager der Griechen verheerte, und der Mensch hält sich in der verfinsterten,mit Stein ausgelegten Kammer sorgfältig verborgen — nur der Räuber schleichtvielleicht umher, wie Vergils Liebender, den die Leidenschaft nicht ruhen ließ.Löst sich der Zauber gegen Abend, da beginnt das unbeschreibliche Farbenspielder Abendröte, die in den feinsten Abstufungen und leisesten Übergängen vomhellsten Rosenrot bis zum glühendsten Purpur und dunkelsten Violett Himmelund Erde verklärt. Besonders in den Schluchten und Vorsprüngen des Ge-birges wallt dann farbiger Hauch und bläuliches Dunkel mit so wunderbaremWechsel durcheinander, daß alle Realität wie in eine Phantasiewelt sich auf-gelöst zu haben scheint. (Victor Hehn, Italien, 1867.)
DIE FARBEN BEI PFLANZEN, TIEREN UND MENSCHEN
Man kann die Farben organischer Körper überhaupt als eine höhere chemischeOperation ansehen, weswegen sie auch die Alten durch das Wort Kochung(Treijn«;) ausgedrückt haben. Alle Elementarfarben sowohl als die gemisch-ten und abgeleiteten kommen auf der Oberfläche organischer Naturen vor,dahingegen das Innere, man kann nicht sagen, unfärbig, doch eigentlich miß-färbig erscheint, wenn es zutage gebracht wird. Da wir bald an einem anderenOrte von unseren Ansichten über organische Natur einiges mitzuteilen denken,so stehe nur dasjenige hier, was früher mit der Farbenlehre in Verbindung ge-biacht war, indessen wir zu jenen besonderen Zwecken das Weitere vorbe-reiten. Von den Pflanzen sei also zuerst gesprochen.
Die Samen, Bulben, Wurzeln und was überhaupt vom Lichte ausgeschlossenist, oder unmittelbar von der Erde sich umgeben befindet, zeigt sich meistenteilsweiß.
Die im Finstern aus Samen erzogenen Pflanzen sind weiß oder ins Gelbe ziehend.Das Licht hingegen, indem es auf ihre Farben wirkt, wirkt zugleich auf ihreForm.
Die Pflanzen, die im Finstern wachsen, setzen sich von Knoten zu Knotenzwar lange fort, aber die Stengel zwischen zwei Knoten sind länger als billig,keine Seitenzweige werden erzeugt, und die Metamorphose der Pflanzen hatnicht statt.
Das Licht versetzt sie dagegen sogleich in einen tätigen Zustand, die Pflanzeerscheint grün und der Gang der Metamorphose bis zur Begattung geht un-aufhaltsam fort.
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