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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
17
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derer einzusammeln, holte ich meine Arbeiter aus dem Laboratorium und be-fragte alle vorbeifahrenden Landleute, ob sie den plötzlich auflodernden Sternebenso sähen als ich. Später habe ich erfahren, daß in Deutschland Fuhrleuteundanderes gemeines Volk" die Astronomen erst auf die große Erscheinungam Himmel aufmerksam machten,was dann (wie bei den nicht vorher ange-kündigten Kometen) die gewohnten Schmähungen auf gelehrte Männer er-neuerte".

Den neuen Stern", fährt Tycho fort,fand ich ohne Schweif, von keinemNebel umgeben, allen anderen Fixsternen völlig gleich, nur noch stärker fun-kelnd als Sterne erster Größe. Sein Lichtglanz übertraf den des Sirius, der Leierund des Jupiter. Man konnte ihn nur der Helligkeit der Venus gleichsetzen,wenn sie der Erde am nächsten steht, wo dann nur ihr vierter Teil erleuchtetist. Menschen, die mit scharfen Augen begabt sind, erkannten bei heitererLuft den neuen Stern bei Tage selbst in der Mittagsstunde. Zur Nachtzeit, beibedecktem Himmel, wenn alle anderen Sterne verschleiert waren, wurde ermehrmals durch Wolken von mäßiger Dicke (nubes non admodum densas)gesehen. Abstände von anderen nahen Sternen der Cassiopea, die ich im ganzenfolgenden Jahre mit vieler Sorgfalt maß, überzeugten mich von seiner völligenUnbeweglichkeit. Bereits im Dezember 1572 fing die Lichtstärke an abzu-nehmen, der Stern wurde dem Jupiter gleich. Im Januar 1573 war er minderhell als Jupiter. Fortgesetzte photometrische Schätzungen gaben: für Februarund März Gleichheit mit Sternen erster Ordnung, für April und Mai Lichtglanzvon Sternen zweiter, für Juli und August dritter, für Oktober und Novembervierter Größe. Gegen den Monat November war der neue Stern nicht heller alsder elfte im unteren Teil der Stuhllehne der Cassiopea. Der Übergang zurfünften und sechsten Größe fand vom Dezember 1573 bis Februar 1574 statt.Im folgenden Monat verschwand der neue Stern, nachdem er 17 Monate langgeleuchtet, spurlos für das bloße Auge." (Das Fernrohr wurde erst 37 Jahrespäter erfunden.)

Der allmähliche Verlust der Leuchtkraft des Sternes war dazu überaus regel-mäßig, ohne wie beim Argus, einem freilich nicht neu zu nennenden Sterne, inunseren Tagen der Fall ist durch mehrmalige Perioden des Wiederaufloderns,durch eine Wiedervermehrung der Lichtstärke, unterbrochen zu werden. Wiedie Helligkeit, so veränderte sich auch die Farbe, was später zu vielen irrigenSchlüssen über die Geschwindigkeit farbiger Strahlen auf ihrem Wege durchdie Welträume Anlaß gegeben hat. Bei seinem ersten Erscheinen, solangeer den Lichtglanz der Venus und des Jupiters hatte, war er 2 Monate lang weiß,dann ging er durch die gelbe Farbe in die rote über. Im Frühjahr 1573 ver-gleicht ihn Tycho mit Mars, dann findet er ihn fast mit der rechten Schulterdes Orion (mit Beteigeuze) vergleichbar. Am meisten glich seine Farbe derroten Färbung des Aldebaran. Im Frühjahre 1573, besonders im Mai, kehrtedie weißliche Farbe zurück. So blieb er im Januar 1574 fünfter Größe und weiß,doch mit einer mehr getrübten Weiße und im Verhältnis zur Lichtschwächeauffallend stark funkelnd, bis zum allmählichen völligen Verschwinden imMonat März 1574.Die Umständlichkeit dieser Angaben beweist schon den Einfluß, welchen das

2 Wolters, Der Deutsche. V, 1. T _