traf richtig ein. Am 22. August hatte er sich so weit aus den Strahlen der Sonnewieder herausgearbeitet, daß er in der Dämmerung, obwohl anfangs nur durchFernrohre, gesehen werden konnte. Im September war er schon sehr deutlichund groß mit bloßen Augen zu sehen. Er war jetzt so weit nordwärts gerückt,daß er durch die Hinterfüße des großen Bären ging. Am 8. Oktober stand ersehr nahe über dem letzten Stern im Schwänze des großen Bären. Er ging alsoin unseren Gegenden während dieser beiden Monate gar nicht mehr unter.Im Oktober hatte er seine größte Lichtstärke erreicht. Von hier an entfernteer sich auffallend schnell von der Erde und war im Januar 1812 nur noch durchFernrohre zu sehen. Nachdem er aber von hier an ein ganzes halbes Jahr un-sichtbar gewesen, war er mit einem Male am Schluß des Juli und in der erstenHälfte des August 1812 wieder zu sehen. Auch dieses hatte man voraus gesagt,und ein russischer Astronom, Wisniewsky, der sich am Kaukasus befand, be-obachtete ihn bei dieser letzten Erscheinung noch fast drei Wochen lang. Innördlicheren Gegenden konnte man ihn nicht mehr auffinden, weil er jetztzu niedrig stand, sehr lichtschwach war und sich bald ganz aus der Erdnäheverlor.
Sehr sonderbare und merkwürdige Erscheinungen boten sowohl der Kopf alsder Schweif dieses letzten Kometen von 1811 dar. Der Kern war sehr glänzendund konnte schon durch ein Fernrohr von mäßiger Vergrößerung sehr deutlichwahrgenommen werden. Der Schweif hing scheinbar nicht mit dem Körperdes Kometen zusammen, sondern erschien in einiger Entfernung vom Kerneals ein breiter Streifen, der sich um denselben herumbog, ohne ihn zu berühren,ungefähr wie der Ring des Saturn. Von diesem Streifen liefen auf beiden Seitenzwei lange starkleuchtende Äste aus, welche sich gewöhnlich wieder in kleinereZweige abteilten. Zuweilen erschienen auch zwei Streifen oder Lichthüllen umden Körper des Kometen, deren jeder sich hinter demselben in zwei Hauptästemit ausgehenden Zweigen verlängerte, so daß auf diese Art der Kometen-schweif ein sehr vielästiges Ansehen bekam. Oft wechselten die Erscheinungenin diesem Schweife an einem und dem nämlichen Abende mit außerordent-licher Schnelle. Man bemerkte nicht selten, daß der leere Raum zwischen demKerne des Kometen und dem Schweife sich ausfüllte, daß aus dem unterenTeile der großen Äste Strahlen fächerförmig ausliefen und kurz darauf wiederzusammenflössen. (Johann Gottfried Sommer, Gemälde der physischen Welt,1826/1831.)
DER NEUE STERN VON 1572
Als ich, sagt Tycho Brahe, von meinen Reisen in Deutschland nach den dä-nischen Inseln zurückkehrte, verweilte ich in dem anmutig gelegenen ehe-maligen Kloster Herritzwadt bei meinem Onkel Steno Bille und hatte die Ge-wohnheit, erst am Abend mein chemisches Laboratorium zu verlassen. Da ichnun im Freien nach gewohnter Weise den Blick auf das mir wohlbekannteHimmelsgewölbe richtete, sah ich mit nicht zu beschreibendem Erstaunennahe am Zenith in der Cassiopea einen strahlenden Fixstern von nie gesehenerGröße. In der Aufregung glaubte ich meinen Sinnen nicht trauen zu können.Um mich zu überzeugen, daß es keine Täuschung sei, und um das Zeugnis an-
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