Naturphänomen in einer für die Astronomie so glänzenden Epoche auf An-regung der wichtigsten Fragen ausüben mußte. Da Erscheinungen derselbenArt sich, zufällig in den kurzen Zeitraum von 32 Jahren zusammengedrängt,für europäische Astronomen dreimal wiederholten, so wurde die Anregungum so lebhafter. Man erkannte mehr und mehr die Wichtigkeit der Stern-kataloge, um der Neuheit des auflodernden Gestirns gewiß zu sein, man dis-kutierte die Periodizität (das Wiedererscheinen nach vielen Jahrhunderten),ja, Tycho stellte kühn eine Theorie über die Bildungs- und Gestaltungsprozesseder Sterne aus kosmischem Nebel auf, welche viel Analogie mit derdes großen William Herschel hat. Er glaubt, daß der dunstförmige, in seinerVerdichtung leuchtende Himmelsstoff sich zu Fixsternen balle. Caeli materiamtenuissimam, ubique nostro visui et Planetarum circuitibus perviam, in unumglobum condensatam, stellam effingere. Dieser überall verbreitete Himmels-stoff habe schon eine gewisse Verdichtung an der Milchstraße, die in einemmilden Silberlichte aufdämmere. Deshalb stehe der neue Stern, wie die, welchein den Jahren 945 und 1264 aufloderten, am Rande der Milchstraße selbst, manglaube sogar noch die Stelle (die Öffnung, hiatus) zu erkennen, wo der nebligeHimmelsstoff der Milchstraße entzogen worden sei. Alles dies erinnert an denÜbergang des kosmischen Nebels in Sternenschwärme, an die haufenbildendeKraft, an die Konzentration zu einem Zentralkern, an die Hypothesen über diestufenweise Entwicklung des Starren aus dem dunstförmig Flüssigen, welcheim Anfange des 19. Jahrhunderts zur Geltung kamen, jetzt aber, nach ewigwechselnden Schwankungen in der Gedankenwelt, vielfach neuem Zweifelunterworfen werden. (Alexander von Humboldt, Kosmos, 1845/1850.)
DAS NORDLICHT BEI DORPAT 1804
Abends zwischen 6 und 7 Uhr ließ mich unser damaliger fleißiger Astronombenachrichtigen, daß der Himmel sich zu einem Nordlichte anschicke. In derTat beobachtete ich gegen 7 Uhr in Nordnordost einige matte Lichtzüge, welchesich vom Horizonte zu erheben und nahe gegen den Scheitelpunkt sich zu en-digen schienen. Diese Lichtzüge kamen in ungleichen Zeiträumen von 5 bis15 Minuten und nahmen an Stärke zu. Anfangs hörte ich kein Geräusch.Nach und nach war ein Knistern bei jedem Lichtzuge immer deutlicher hörbarund verwandelte sich allmählich in ein starkes Prasseln und Rauschen, das mitdem Geräusche des zerreißenden Taffets einige Ähnlichkeit hatte, noch bessermit dem Geräusche einer stark vom Winde geblasenen Flamme einer Feuers-brunst. Dieses Geräusch dauerte jedesmal nur so lange, als das Auffahren desLichts. Nach jedem solchen Auffahren war weder Geräusch noch Licht wahr-zunehmen. Bei zunehmendem Meteore bildete sich nach und nach am Hori-zonte in Nordnordost und etwa 15° herauf ein blasser dauernder Schein, derdie Sichtbarkeit der Sterne nicht hinderte. Es war sehr kalt und ganz hellesWetter. Um 9 Uhr milderte sich die Erscheinung, die Lichtzüge wurden matterund seltener, um 10 Uhr hielt ich alles für beendigt. Gegen 11 Uhr wurde ichdurch meine Frau aufmerksam gemacht, daß es draußen sehr hell wäre. Ichsah aus dem Balkon meiner Wohnung und erblickte den ganzen Himmel wie
18