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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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Ein Bewohner der Erdoberfläche siehet in der Sonne den allgemeinsten undfast einzigen Quell alles Lichtes und aller belebenden Wärme. Denn wenn auch,wie aus einigen Tatsachen hervorzugehen scheint, in den Tiefen unseres Plane-ten eine verborgene Glut schlummert, welche furchtbar und gewaltig, da wo-hin sie trifft, selbst das Festeste und Stärkste, das wir im Gebiet der irdischenKörperlichkeit kennen, auflöset und zerstört, so hat dennoch dieser weit ab-geschiedene, innere Wärmequell der Erde auf ihre Oberfläche fast ebensowenig Einfluß, als die anziehenden Kräfte unseres Planetensystems auf denweit über dasselbe erhabenen Fixsternenhimmel. Denn wenn auch zuweilender innere, glühende Kampf der Elemente nach oben und außen sichtbar wird,und Typhon und Encelados des alten Bettes ungeduldig, aus zwanzig neuge-öffneten Feuerschlünden zugleich emporbrüllen, so vermögen dennoch dieseGlutsäulen den nordischen Winter von Island und Kamtschatka nur in einemgeringen Umkreise, und auch hier nur auf etliche Monate zu verscheuchen, ihrrötliches Licht beleuchtet nur den Schnee der nächsten Täler und Bergeshöhenmit einem fast der Tageshelle gleichendem Glänze, und die untere Wärmeder finnmarkischen Täler vermag zwar ein dürftiges, in ihnen einheimischesGras selbst noch unter dem Schnee weiter emporschießen zu machen, nichtaber so wie die Sonne es zu erzeugen und zum Blüten und Fruchttragen zubringen.

So vermag auch das Nordlicht mit seinem matten rötlichen Scheine, von dessenEinfluß nur der kalte Magnet in zitternde Bewegung gesetzt, nicht aber dasder Wärme bedürftige organische Leben aus dem langen Winterschlafe ge-weckt wird, kaum das Licht der Fixsterne zu überglänzen, und sein zuckendesFlimmern wird schon vom Licht des Vollmondes fast unsichtbar gemacht.Andere Lichtmeteore aber, von dem fernen Kometen an bis zum Irrlicht undwandelnden Feuer herab, sind nur gleich dem phosphoreszierenden Meeres-wasser oder faulenden Holze einem im Dunkel der Nacht auch für den schwä-chesten Lichtfunken empfindlich gewordenem Auge bemerkbar.Dagegen verschwinden noch lange vorher, ehe die Königin des Tages mit demäußersten Saume ihrer Scheibe den Horizont berührt, alle Gestirne der Nacht,und selbst der nachbarliche Mond behält ihr gegenüber nur noch den bleichenSchein eines leichten Gewölkes: vor ihrem mächtigen alltäglichen Aufsteigenzum Mittage gehen aber, nach jenem alten Festgesang der Mexikaner, männ-liche, Leben zeugende Kräfte jauchzend voraus, während die weiblichen, ge-bärenden, von der Höhe des Mittages an das königliche Gestirn begrüßen undlebensschwanger sich mit ihm in die Stille der keimenden Nacht versenken;denn allenthalben, wo in ununterbrochener Gewohnheit der tägliche Weg derSonne hintrifft, da ist Fülle der Natur und Leben und Lebensfreude. (GotthilfHeinrich Schubert, Allgemeine Naturgeschichte, 1826.)

Die Weltleuchte (lucerna Mundi), welche in der Mitte thront, wie Kopernikusdie Sonne nennt, ist das allbelebende pulsierende Herz des Universums nachTheon dem Smyrnäer, sie ist der Urquell des Lichtes und der strahlenden

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