Sterngruppen, so erinnern sie, durch ihre Konglomeration selbst, an ein rätsel-haftes Spiel von Gravitationskräften, denen sie gehorchen. Sind es Dunst-massen mit einem oder mehreren Nebelkernen, so mahnen die verschiedenenGrade ihrer Verdichtung an die Möglichkeit eines Prozesses allmählicherSternbildung aus ungeballter Materie. Kein anderes kosmisches Gebilde, keinanderer Gegenstand der mehr beschauenden als messenden Astronomie ist ingleichem Maße geeignet, die Einbildungskraft zu beschäftigen: nicht etwa bloßals symbolisierendes Bild räumlicher Unendlichkeit, sondern weil die Er-forschung verschiedener Zustände des Seins und ihre geahndete Verknüpfungin zeitlicher Reihenfolge uns eine Einsicht in das Werden zu offenbarenverheißt.
Die historische Entwicklung unserer gegenwärtigen Kenntnis von den Nebel-flecken lehrt, daß hier, wie fast überall in der Geschichte des Naturwissens,dieselben entgegengesetzten Meinungen, welche jetzt noch zahlreiche An-hänger haben, vor langer Zeit, doch mit schwächeren Gründen, verteidigtwurden. Seit dem allgemeinen Gebrauch des Fernrohrs sehen wir Galilei,Dominicus Cassini und den scharfsinnigen John Michell alle Nebelflecke alsferne Sternhaufen betrachten: während Halley, Derham, Lacaille, Kant undLambert die Existenz sternloser Nebelmassen behaupteten. Kepler, wie vorder Anwendung des teleskopischen Sehens Tycho de Brahe, war ein eifrigerAnhänger der Theorie der Sternbildung aus kosmischem Nebel, aus verdich-tetem, zusammengeballtem Himmelsdunste. Er glaubte: caeli materiam tenuis-simam (der Nebel, welcher in der Milchstraße mit mildem Sternlicht leuchte),in unum globum condensatam stellam effingere; er gründete seine Meinungnicht auf den Verdichtungsprozeß, der in begrenzten rundlichen Nebelfleckenvorgehe (diese waren ihm unbekannt), sondern auf das plötzliche Auflodernneuer Sterne am Rande der Milchstraße.
Wie die Geschichte der Doppelsterne, so beginnt auch die der Nebelflecke, wennman das Hauptaugenmerk auf die Zahl der aufgefundenen Objekte, auf dieGründlichkeit ihrer teleskopischen Untersuchung und die Verallgemeinerungder Ansichten richtet, mit William Herschel. Bis zu ihm waren in beiden He-misphären nur 120 unaufgelöste Nebelflecke der Position nach bekannt, und1786 veröffentlichte bereits der große Astronom von Slough ein erstes Ver-zeichnis, das deren 1000 enthielt. — —
Im Jahre 1787 war sein vierzigfüßiges Riesenteleskop vollendet, und in drei Kata-logen, welche 1786, 1789 und 1802 erschienen, lieferte er die Positionen von2500 Nebeln und Sternhaufen. Bis 1785, ja fast bis 1791, scheint der großeBeobachter mehr geneigt gewesen zu sein, wie Michell, Cassini und jetzt LordRosse, die ihm unauflöslichen Nebelflecke für sehr entfernt liegende Stern-haufen zu halten; aber eine längere Beschäftigung mit dem Gegenstandezwischen 1799 und 1802 leitete ihn, wie einst Halley und Lacaille, auf dieDunst-Theorie, ja, wie Tycho und Kepler, auf die Theorie der Sternbildungdurch allmähliche Verdichtung des kosmischen Nebels. Beide Ansichten sindindes nicht notwendig miteinander verbunden. Die von Sir William Herschelbeobachteten Nebel und Sternhaufen hat sein Sohn Sir John von 1825—1833einer neuen Musterung unterworfen. Er hat die älteren Verzeichnisse durch
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