Gleich einem sinnenden Manne, der auf seiner einsamen mitten im Ozean ge-legenen Insel das Vorüberwandeln eines Windes fühlet und bemerket, welchervon den riesenhohen Gebirgen eines Festlandes herkommt, dessen Ufer seinAuge so weit es auch hinausspähet nirgends gewahr wird, ja, an dessen Daseinder ermattende Geist zuletzt zweifelt, bemerke ich wohl das Leuchten aller derMillionen Lichtgebilde und Welten, welche zu meinem heimatlichen Schöp-fungsgebiet gehören; j ene Urstätte und ewige Veste des Lebens aber, aus welcherder beseelende Hauch hervorgehet, der dem zu Sternen gestalteten Ätner dasLicht anwehet und alle seine Riesenwelten beweget, wird ein von Erde ge-machtes Auge nicht erkennen. Der aus Kampf und Dunkel zum Leben hin-durchgedrungene Geist wird jedoch, wenn er die Hand voll Staub, die bis dahinsein inneres Auge gehalten, als befruchtetes Samenkorn zurückgelassen, als-bald sich von einem Jenseits umfangen sehen, auf dessen wogendem Meere,welches ohne Anfang und Ende, ein zum höheren Chore erwachtes Selbst-bewußtsein immer näher zu jener innersten Heimat alles Lebens geführt wird,welche, am Quelle des Lichtes selber gelegen, eines erborgten Lichtes der Sonneund der Sterne nimmer bedarf. (Gotthilf Heinrich Schubert, Allgemeine Natur-geschichte, 1826.)
STERNNEBEL UND WELTINSELN
Unter den uns sichtbaren, den Himmelsraum erfüllenden Weltkörpern gibt esneben denen, welche mit Sternlicht glänzen (selbstleuchtenden oder bloß pla-netarisch erleuchteten, isoliert stehenden oder vielfach gepaarten und umeinen gemeinschaftlichen Schwerpunkt kreisenden Sternen) auch Massen mitmilderem, mattem Nebelschimmer. Bald als scharf begrenzte, scheibenförmigeLichtwölkchen auftretend, bald unförmlich und vielgestaltet über großeRäume ergossen, scheinen diese auf den ersten Blick dem bewaffneten Augeganz von den Weltkörpern verschieden. Wie man geneigt ist, aus der beob-achteten, bisher unerklärten Bewegung gesehener Weltkörper auf die Existenzungesehener zu schließen, so haben Erfahrungen über die AuflöslLhkeit einerbeträchtlichen Zahl von Nebelflecken in der neuesten Zeit zu Schlußfolgen überdie Nicht-Existenz aller Nebelflecke, ja, alles kosmischen Nebels im Welträumegeleitet. Mögen jene wohlbegrenzten Nebelflecke eine selbstleuchtende dunst-artige Materie oder ferne, eng zusammengedrängte, rundliche Sternenhaufensein: immer bleiben sie für die Kenntnis der Anordnung des Weltgebäudes,dessen, was die Himmelsräume ausfüllt, von großer Wichtigkeit.Die Zahl der örtlich in Rektaszension und Deklination bestimmten übersteigtschon 3600. Einige der unförmlich ausgedehnten haben die Breite von achtMonddurchmessern. Nach William Herschels älterer Schätzung (1811) be-decken die Nebelflecke wenigstens 1 / 270 des ganzen sichtbaren Firmaments.Durch Riesenfernrohre gesehen, führt ihre Betrachtung in Regionen, ausdenen der Lichtstrahl nach nicht ganz unwahrscheinlicher Annahme Millionenvon Jahren braucht, um zu uns zu gelangen: auf Abstände, zu deren Ausmes-sung die Dimensionen unserer näheren Fixsternenschicht (Siriusweiten oderberechnete Entfernungen von den Doppelsternen des Schwans und des Zen-tauren) kaum ausreichen. Sind die Nebelflecke elliptische oder kugelförmige