Ohnfehlbar wird diese feine körperliche, buntstrahlige Lichtwelt, die sich zuunserer Planetenwelt fast eben so verhält, wie das Licht und die Wärme zuden schweren und festen Stoffen, auch eine ihr entsprechende lebende Naturhaben, welche den beständigen Gefährten der gröberen Körperlichkeit — denTod — nicht kennet, sondern, wie die Gestaltungen, die (ich die Seele imTraume schaffet, unmerklich aus einer Formenwandlung in die andere hin-überschwebet. Eine Natur, an deren ewigen und unvergänglichen Reizendenkende Wesen sich freuen, welche die drückende, nach unten ziehende Lasteiner gröberen Körperlichkeit niemals erfahren haben; niemals jedoch auchden Triumph eines Geistes, der im siegreichen Kampfe mit dem Feindlichenund Niederen, Kräfte an sich gezogen, welche den selig stillen Kräften einernie erschütterten und geprüften Welt des Friedens so überlegen sind, wie das
vollendete Mannesalter dem lieblichen Alter einer unschuldigen Kindheit.-------
Es erscheint dem denkenden Geiste der Fixsternenhimmel gleich einer Inselmitten in dem Ozean einer Unendlichkeit, für deren Tiefen und Umfang derMensch keinen wahrnehmenden Sinn und kein Maß hat. Denn ein erdgeborenesAuge wird immer nur das bemerken, was gleich ihm leiblich und — wäre dasauch nur im weitesten, entferntesten Sinne, mit der irdischen Natur in Be-ziehung gestellt ist. Sei es dann auch — was nicht unwahrscheinlich ist —,daß jene Millionen der leuchtenden Heere des Himmels untereinander selberbei weitem in keinem so unermeßlichen Abstände sind, als unsere Rechnungs-bücher es gewollt, sei e auch, daß da oben kein einziger Stern ist, der nicht intausendfältig näherer, engerer Wechselbeziehung mit seinem Nachbarsternestehet, als unsere Sonne m t allen Lichtwelten der in hoher Wölbung unserPlanetensystem umringenden Sternenzone, sei es auch, daß der von Entdeckungzu Entdeckung immer kühner vorandringende menschliche Sinn gar bald er-kennen sollte, daß selbst die für unabreichbar fern gehaltenen Nebel und Ster-nenhaufen großenteils nicht viel ferner von uns abgelegen sind, als die dembloßen Auge noch sichtbaren Fixsterne oder als der vielleicht auch tausend-fältig zu hoch angeschlagene Umfang unserer Milchstraße, sei es endlich so-gar, daß es dem Menschen noch möglich würde, mit einer ähnlichen Sicher-heit über die äußersten Grenzen des ganzen ihm sichtbaren Himmels zusprechen, als er dies seit etlichen Menschenaltern über die Grenzen unseresPlanetensystems zu tun vermag: so wird hiermit immer nur das Ende einerihrer Natur nach endlichen Welt, es wird nur der Lichtschimmer, welchen einSaum am Gewände der Ewigkeit in das irdische Auge strahlet, bemerkt undüberblickt worden sein. In und durch und um und über dieser Sichtbarkeitwebet und lebet, meinem Auge unsichtbar, meiner irdischen Brust, so sehr siesich in dem Staunen der Andacht erweitert, unerfaßbar, meinem Verstandunermeßbar und unbegreiflich: selig, ewig, grenzenlos und ohne Wandel —die eigentliche Welt des Lebens.
Die Bewegungen, welche das mit dem leiblichen Gewebe eine Zeitlang spie-lende Leben im tierischen Körper wirket, bemerkt mein Auge wohl und siehetden Nerven, dessen Strahlen eine sichtbare Abbildung jener Richtungen sind,welche die Kräfte des Lebens im Leibe gewöhnlich nehmen; die eigentlich be-lebende Ursache aber wird von meinen leiblichen Sinnen nicht begriffen.