in allen Weltkörpern erreichen kann? (Kant, Allgemeine Naturgeschichteund Theorie des Himmels, 1755.)
DAS UNENDLICHE LEBEN
In der Tat, es hat für den Geist des Menschen etwas sehr Erhebendes, wenn erschon durch den Schleier der bisherigen Wahrnehmungen in den Lichtweltendes Fixsternenhimmels eine Natur ahnden darf, welche von höherer, geistigererArt zu sein scheinet, als diese grobkörperliche unserer Planeten, bei denen dasLeben nur auf der äußersten Oberfläche und auch hier nur auf einige vorüber-eilende Augenblicke Fuß zu gewinnen vermag. Vielleicht daß alle jene glän-zenden Lichtwelten durch und durch aus einem — nur in leise Gegensätze zer-fallenden — Lichtäther bestehen, aus welchem der große Herschel die nochfortgehende oder eben beginnende Bildung einiger Hunderte von Sternen nach-gewiesen. Es stehet dann das hehre Gewölbe des Fixsternenhimmels zu demtief in seiner Mitte gelegenen, gröberkörperlichen Planetensystem in einemähnlichen Verhältnisse, wie die durch unsere ganze Planetenwelt Licht undWärme und Leben verbreitende leuchtende Atmosphäre der Sonne zu demeigentlichen, festen und dunklen Körper derselben und nach einem, freilichungeheuer viel größerem Maßstabe, sind die Kernpunkte der Lichtnebel unddie Fixsterne ähnliche Bildungen des Lichtäther , als die hellglänzenden Zu-sammenballungen des leuchtenden Sonnenäthers — die sogenannten Sonnen-fackeln.
Wenn auch den Fixsternenhimmel von unserer Sonne ein ungeheurer Zwi-schenraum trennt, so ist doch jener in sich selber, wie es scheint, sonst nirgendsdurch solche weite Abstände der einen leuchtenden Welt von der anderen zer-rissen, sondern es bildet öfters von einem Stern zum andern der leuchtendeÄther — gleich einer gemeinschaftlichen Atmosphäre — ein verbindendesMittelglied, oder es wandeln, wie bei den Doppelsternen, zwei Lichtwelten, nurwenige Durchmesser voneinander entfernt, um den gemeinschaftlichenSchwerpunkt, und Millionen von solchen oberen Sonnen schweben, ohne sichgegenseitig durch die Übermacht einer gröberen körperlichen Anziehung zubedrängen, in einer Nähe aneinander, in welcher in dem uns näheren Planeten-system kaum Monde und Planeten aneinander wandeln. Eine leihet und er-wecket der anderen das Licht, und jene fernen Millionen scheinen um so hellerzu leuchten, je näher sie zusammengedrängt stehen.
Vielleicht daß übrigens, unserer Sonne näher verwandt, die größeren Fix-sterne nicht gerade an uns die nächsten, sondern nur die leuchtendsten sindund daß, wie dies auch aus anderweitigen Tatsachen zu erhellen scheint,Taufende der kleineren, minder lichthellen, eben so nahe als jene an unswandeln.
Und so scheinet der unserem irdischen Auge noch sichtbare Fixsternenhimmelein in sich selber verbundenes, rücksichtlich des Abstandes seiner einzelnenLichtpunkte von uns nicht so gar ungeheuer verschiedenes Lichtgewölbe, wel-ches in riesenhafter Höhe mitten in der dem menschlichen Sinne unerfaß-baren Unendlichkeit unser Planetensystem umschwebet.