änderlichen Auftritten die Ewigkeit auszieret, bleibt Gott in einer unaufhörlichenSchöpfung geschäftig, den Zeug zur Bildung noch größerer Welten zu formen.Es ist uns nicht einmal recht bekannt, was der Mensch anjetzo wirklich ist, obuns gleich das Bewußtsein und die Sinne hiervon belehren sollten, wieviel we-niger werden wir erraten können, was er dereinst werden soll. Dennochschnappet die Wißbegierde der menschlichen Seele sehr begierig nach diesemvon ihr so entfernten Gegenstande und strebet, in solchem dunkeln Erkennt-nisse einiges Licht zu bekommen.
Sollte die unsterbliche Seele wohl in der ganzen Unendlichkeit ihrer künftigenDauer, die das Grab selber nicht unterbricht, sondern nur verändert, an diesenPunkt des Weltraumes, an unsere Erde jederzeit geheftet bleiben? Sollte sieniemals von den übrigen Wundern der Schöpfung eines näheren Anschauensteilhaftig werden? Wer weiß, ist es ihr nicht zugedacht, daß sie dereinst jeneentfernten Kugeln des Weltgebäudes und die Trefflichkeit ihrer Anstalten, dieschon von weitem ihre Neugierde so reizen, in der Nähe soll kennenlernen?Vielleicht bilden sich darum noch einige Kugeln des Planetensystems aus, umnach vollendetem Ablaufe der Zeit, die unserem Aufenthalte allhier vorge-schrieben ist, uns in anderem Himmel neue Wohnplätze zu bereiten. Wer weiß,laufen nicht jene Trabanten um den Jupiter, um uns dereinst zu leuchten?Es ist erlaubt, es ist anständig, sich mit dergleichen Vorstellungen zu belusti-gen, allein niemand wird die Hoffnung des Künftigen auf so unsichere Bilderder Einbildungskraft gründen. Nachdem die alte Zeit ihren Anteil an dermenschlichen Natur wird abgefordert haben: so wird der un terbliche Geist,mit einem schnellen Schwünge, sich über alles, was endlich ist, emporschwingenund in einem neuen Verhältnisse gegen die ganze Natur, welche aus einernäheren Verbindung mit dem höchsten Wesen entspringt, sein Dasein fort-setzen. Forthin wird die erhöhete Natur, welche die Quelle der Glückseligkeitin sich selber hat, sich nicht mehr unter den äußeren Gegenständen zerstreuen,um eine Beruhigung bei ihnen zu suchen. Der gesamte Inbegriff der Geschöpfe,welcher eine notwendige Übereinstimmung zum Wohlgefallen des höchstenUrwesens hat, muß auch sie zu dem seinigen haben und wird sie nicht anders,als mit immerwährender Zufriedenheit rühren.
In der Tat, wenn man mit solchen Betrachtungen und mit den vorhergehendensein Gemüt erfüllet hat, so gibt der Anblick eines gestirnten Himmels bei einerheitern Nacht, eine Art des Vergnügens, welches nur edle Seelen empfinden.Bei der allgemeinen Stille der Natur und der Ruhe der Sinne redet das ver-borgene Erkenntnisvermögen des unsterblichen Geistes eine unnennbareSprache und gibt unausgewickelte Begriffe, die sich wohl empfinden, aber nichtbeschreiben lassen. Wenn es unter den denkenden Geschöpfen dieses Planetensniederträchtige Wesen gibt, die ungeachtet aller Reizungen, womit ein sogroßer Gegenstand sie anlocken kann, dennoch imstande sind, sich fest an dieDienstbarkeit der Eitelkeit zu heften: wie unglücklich ist diese Kugel, daß sieso elende Geschöpfe hat erzielen können? Wie glücklich aber ist sie anderer-seits, da ihr unter den allerahnungswürdigsten Bedingungen ein Weg eröffnetist, zu einer Glückseligkeit und Hoheit zu gelangen, welche unendlich weitüber die Vorzüge erhaben ist, die die allervorteilhafteste Einrichtung der Natur