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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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aller Kräfte, ein Wesen in der unabsehbaren Harmonie einer Welt Gottes.(Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1784/1791.)

UNTERGANG UND EWIGKEIT DER WELTEN

Man darf nicht erstaunen, selbst in dem Großen der Werke Gottes, eine Ver-gänglichkeit zu verstatten. Alles, was endlich ist, was einen Anfang und Ur-sprung hat, hat das Merkmal seiner eingeschränkten Natur in sich; es muß ver-gehen und ein Ende haben. Die Dauer eines Weltbaues hat, durch die Vor-trefflichkeit ihrer Errichtung, eine Beständigkeit in sich, die, unseren Begriffennach, einer unendlichen Dauer nahekommt. Vielleicht werden tausend, viel-leicht Millionen Jahrhunderte sie nicht vernichten; allein, weil die Eitelkeit,die an den endlichen Naturen haftet, beständig an ihrer Zerstörung arbeitet, sowird die Ewigkeit alle möglichen Perioden in sich halten, um durch einen all-mählichen Verfall den Zeitpunkt ihres Unterganges doch endlich herbeizu-führen. Newton, dieser große Bewunderer der Eigenschaften Gottes, aus derVollkommenheit seiner Werke, der mit der tiefsten Einsicht in die Trefflichkeitder Natur die größte Ehrfurcht gegen die Offenbarung der göttlichen Allmachtverband, sähe sich genötigt, der Natur ihren Verfall durch den natürlichenHang, den die Mechanik der Bewegung dazu hat, vorher zu verkündigen.Wenn eine systematische Verfassung durch die wesentliche Folge der Hin-fälligkeit, in großen Zeitläuften auch den allerkleinsten Teil, den man sich nurgedenken mag, dem Zustande ihrer Verwirrung nähert; so muß in dem unend-lichen Ablaufe der Ewigkeit doch ein Zeitpunkt sein, da diese allmähliche Ver-minderung alle Bewegung erschöpft hat.

Wir dürfen aber den Untergang eines Weltgebäudes nicht als einen Verlust derNatur bedauern. Sie beweiset ihren Reichtum in einer Art von Verschwendung,welche, indem einige Teile der Vergänglichkeit den Tribut bezahlen, sich durchunzählige neue Zeugungen in dem ganzen Umfange ihrer Vollkommenheitunbeschadet erhält. Welch eine unzählige Menge Blumen und Insekten zer-störet ein einziger kalter Tag, aber wie wenig vermisset man sie, ohnerachtetes herrliche Kunstwerke der Natur und Beweistümer der göttlichen Allmachtsind, an einem anderen Orte wird dieser Abgang mit Überfluß wiederum er-setzt. Der Mensch, der das Meisterstück der Schöpfung zu sein scheint, istselbst von diesem Gesetze nicht ausgenommen. Die Natur beweiset, daß sieebenso reich, ebenso unerschöpflich in Hervorbringung des trefflichsten unterden Kreaturen, als des geringschätzigsten, ist, und daß selbst deren Unter-gang eine notwendige Schattierung in der Mannigfaltigkeit ihrer Sonnen ist,weil die Erzeugung derselben ihr nichts kostet. Die schädlichen Wirkungender angesteckten Luft, die Erdbeben, die Überschwemmungen, vertilgen ganzeVölker von dem Erdboden, allein es scheinet nicht, daß die Natur dadurcheinigen Nachteil erlitten habe. Auf gleiche Weise verlassen ganze Welten undSysteme den Schauplatz, nachdem sie ihre Rolle ausgespielet haben. Die Un-endlichkeit der Schöpfung ist groß genug, um eine Welt, oder eine Milchstraßevon Welten, gegen sie anzusehen, wie man eine Blume oder ein Insekt, inVergleichung gegen die Erde, ansiehet. Indessen, daß die Natur mit ver-