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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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schmähte, Arznei zu nehmen. Die meisten sagten und glaubten, es liege ihrnichts mehr daran, gesund zu werden oder länger zu leben: sie wolle sterben.Als sie endlich zu Bett gebracht, noch einen Monat der Besinnung und Teil-nahme an der Welt hatte, ließ sie die Mitglieder ihres Geheimen Rats vor sichkommen; sie hat dann entweder geradezu gesagt, daß sie den König von Schott-land für ihren gesetzmäßigen und würdigen Nachfolger halte, oder ihn dochunzweifelhaft bezeichnet. Unter den Gebeten des Erzbischofs von Canterbury,der an ihrem Bette kniete, hauchte sie ihre Seele aus. (Ludwig von Ranke, Eng-lische Geschichte, vornehmlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert,1859/1867.)

GROSSE REDNER ALS MUND DES VOLKES

Der einzelne kann für die Redekunst, diese gewaltigste und gegenwärtigsteunter allen Künsten, nichts tun, als seinen Mund bilden; die Nation bildetim Laufe der Jahrhunderte durch die anbetende Ehrfurcht, mit der sie an ihrenHelden hängt, mit der sie alles Große, was ihr Boden erzeugt, zusammen-knüpft, wie in ein Pantheon zusammenstellt, das andere Hauptstück hinzu,nämlich den Stil; die Nation bildet hinzu jene gewisse harmonische Einheitunter allen Erzeugnissen ihrer Kunst, zumal der höheren Beredsamkeit,um derentwillen nun das einzelne zu bleiben, durch den Stil, durch die Federfortzuleben verdient. Nichts bestätigt diese Darstellung so, als der einzigeSchauplatz echter Beredsamkeit, der diesem unserm stummen Jahrhundertverblieben ist, das britische Parlament.

Die Grundlage der Erziehung des britischen Redners ist der Umgang mit denAlten, die nur versteht, wer sie sich sprechend, nicht aber, wie die deutschenPhilologen, schreibend denkt; keine Stilübungen, aber vielfältige Versuchein Versen. Die Poesie, die Quelle des Geschmacks, wird gegenwärtig erhalten,künstlich hereingeleitet in die Brust des künftigen Redners. So vorbereitet,ergreift ihn das politische Leben und das unnachlassende Gespräch des Parla-ments, der Gerichtshöfe, und zuletzt der Stil der Redner von England. Dieswar die einfache Vorschule des William Pitt-Chatham, Burkes, des jüngerenund größeren William Pitt, und Foxens, dieser großen Heerführer der briti-schen Beredsamkeit, durch deren Mund England gesagt hat, was es sei. Dieerhabensten ihrer Werke sind hingestorben mit ihnen selbst; denn es mußbemerkt werden, ausdrücklich bemerkt, daß England noch besteht, nach-dem diese Säulen eingestürzt sind, die es zu tragen schienen. Die erhabenstenihrer Werke sind dahin, wie die großen Veranlassungen, die sie erzeugten.Von Fox sind kaum wenige Worte erhalten, aber nichtsdestoweniger wirdalle Erinnerung an seine Irrtümer und Schwächen niedergehalten, aufgewo-gen durch den wertlosen Nachklang dessen, was er durch die Gewalt seinerRede für die Gegenwart gewesen ist. Stat nominis umbra, nur der Schattenseines Namens ist geblieben, und dennoch heute, mehrere Jahre nach seinemTode, sind die Gemüter von dem Eindruck seiner Stimme noch nicht zurück-gekehrt in ihre alten Fugen. Dieser Wortredner des Verderbens, gepeitschtvon allen Furien des Ehrgeizes und einer Sinnlichkeit, wie sie sonst nur dertropische Himmel auszubrüten pflegt, wußte einzugehen in allen Eigensinn,

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