in alle Unart, wie in allen Stolz seines Volkes; die ganze Vergänglichkeit vonEngland, folglich auch alle Macht über die Gegenwart, standen ihm zu Gebote,und die ungezogene, aber im Grunde wohlwollende, schwache und immer be-rauschte, aber freigebige, großmütige Seele dieses Mannes spiegelte das wirk-liche England mit allen seinen Einzelheiten und Sichtbarkeiten so deutlichund doch so veredelt ab, daß er der Mann des Volkes bleiben mußte bis ansein Ende.
Ihm achtzehn Jahre zur Seite und dann fünf Jahre gegenüber stand der könig-liche Redner Edmund Burke, Stellvertreter des unsichtbaren Englands, derGeisterseher seiner Geschichte, der Prophet seiner Zukunft, ein rechtschaffenes,still bürgerliches Herz, das nichtsdestoweniger England ganz ausfüllte bis anden Rand; ein behaglicher, sich in alle nahen Umstände einwohnender Geist,dem nichtsdestoweniger Europa zu enge war, und eine Rede, an der selbst dieGegner nichts auszusetzen wußten, als die mitunter allzu blendende Hoheit,die allzu schlagende Kraft und den kassandrischen Trübsinn, in dem sie sichverlor, unter den Gewitterwolken, welche die letzten Jahre seines Lebens hin-durch über England ruhten. Er hatte keine Partei in dem wirklichen Parla-ment und dem damaligen Volk. Im Parlament, wo sich die Parteien, sovieles gehen will, auch in den Sitzen absondern und gegenüberstellen, setzte ersich unten im Grunde des Hauses allein. William Pitt, die Grenvilles und alleRegierenden seiner Zeit horchten still auf ihn; — aber seine Partei war beidenen, die nicht sterben in England wie anderswo, deren Geist fortsitzt imParlament, wo ihn keine Gegenwart, und sollte sie selbst durch Foxens Mundreden, verdrängen kann. Und so hat er mit dem Beistande dieser Partei, oder— haben sie durch seinen Mund mehr gewirkt und vollendet, als alle Parteiender Zeit durch ihre Heerführer. Wenn die weltliche Beredsamkeit und alles,was die Kunst der Rede über derbe, tüchtige, wohlgenährte, lüsterne Welt-kinder vermag, in Fox seinen Gipfel erreicht hat: so hat die heilige Bered-samkeit in diesem Jahrhundert nur durch Einen Mund geredet, durch denMund Burkes. Wer möchte dieser Zeit predigen, ohne die teuren Überrestedieses großen Mannes, insbesondere die der letzten Epoche seines Lebens zustudieren, zu verehren, in allen feierlichen Augenblicken des Lebens, wie ineiner Wallfahrt, dahin zurückkehren. Welcher Ohnmächtige wird es wagen,über die Angelegenheiten der Völker zu reden, ohne die Gewalt über das teureAbwesende, Untergegangene, von unkeuscher Größe verdrängte, von Burkezu lernen, ohne von ihm zu lernen die gewaltige, ihm ganz eigentümliche Waffedes tragischen Witzes.
Diese beiden großen Redner haben England ausgedrückt, der eine, wie es ist,der andre, wie es war; den beiden andern, den Pitts, den größten Staatsmännernihres Jahrhunderts, verdankt England, daß es, wie es war, so blieb, und, in-dem es blieb, größer wurde, als es war. Auch sie haben mit der unmittelbarenGewalt der Rede viel mehr als durch schriftlichen Befehl England regiert;sie haben verdient, jener im Rednerstuhl, inmitten des Parlaments und seinerTaten und der Denkmale seines Lebens, und bestrahlt von dem Glänze seinesVaterlandes, den er entzündet, zu sterben; dieser, der jüngere Pitt, verdient,daß, als er nach sechzehnjährigem Ministerium am Tage nach seiner Verab-
(7 Wolters Der Deutsche. 111,3.
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