3. SCHULEN • KIRCHEN • HÖFE
GIORDANO BRUNO IN PARIS LONDON WITTENBERG ROM
Giordano Bruno ist im Jahre 1548 geboren. In Nola, einer wahrscheinlichvon Griechen gegründeten Provinzialstadt am nordwestlichen Fuß des Vesuv,um welche alle Zauber tropischer Lebensfülle ausgebreitet sind. Tasso sagteinmal: „Die Erde bringt überall die ihr ähnlichen Bewohner hervor" ('Laterra simili a se gli abitator produce'). Bruno war der Sohn dieses Land-strichs zwischen Vesuv und Mittelmeer. Feurig wie der Vesuv und das bren-nende Luftmeer über diesem Lande, gleichsam eine Äußerung der Natur-kraft, die dort in der üppigen Vegetation waltet, und von Kontrasten launischbestimmt, wie der Landstrich sie zeigt. Er erzählt im lateinischen GedichtDe Immenso, wie dem Knaben, im Kontrast zu den mit Kastanien, Lorbeerenund Myrten bedeckten Umgebungen Nolas, der Vesuv als eine düstere, un-fruchtbare Masse erschien: als er sich ihm aber näherte, umgaben ihn auchhier Reben und tropische Naturfülle; damals zuerst habe er erkannt, daß dieNatur überall schön sei.
In den Jahren seiner Kindheit und ersten Jugend lag noch der erste Glanzder Renaissance über Italien. Michelangelo und Tizian waren noch amLeben. Aber schon gelangte der Jesuitenorden unter seinem zweiten GeneralLainez zum Bewußtsein seiner welthistorischen Mission, und das TrienterKonzil sammelte alle innere Kraft des Katholizismus. Man könnte sich denken,daß er sich in heiterer Lebensfülle zu einem großen Dichter entfaltet hätte,wie sein älterer Zeitgenosse Tasso und der jüngere Ariost. War doch einemächtige Einbildungskraft in ihm. Aber sie war, wie in Lionardo und Galilei,verbunden mit einem außerordentlichen Vermögen wissenschaftlicher Kom-bination und einem feinen tiefdringenden Verstände. Da entschied es nunüber sein Leben, daß er nach dem gewöhnlichen humanistisch-scholastischenUnterricht jener Tage in seinem 14. oder 15. Jahre (1562 oder 1563) in denDominikanerorden eintrat. Im Kloster des heiligen Dominikus zu Neapel,wo einst Thomas von Aquino gelebt und gelehrt hatte, verweilte er zuerst, emp-fing die Priesterweihe 1572, dann hielt er sich an verschiedenen benachbartenOrten zeitweise zu kirchlichen Diensten auf, bis 1576 ist er im Orden geblieben.In diesen langen 15 Jahren bis zu seinem 28. Lebensjahre legte er den Grundzu einer selten ausgebreiteten philosophischen Belesenheit und zu solidenastronomischen Kenntnissen, wodurch ihm dann, sobald er das Kloster ver-ließ, ermöglicht wurde, in der Philosophie und Astronomie zu unterrichten.Zugleich versuchte er sich im Kloster in tragischer und in komischer Dich-tung. Er schrieb wahrscheinlich schon dort in erstem Entwurf das Lust-spiel II Candelajo, dessen derber Zynismus nach Klosterluft riecht, und eineverlorene Allegorie l'arca di Noe, die den Rangstreit der Tiere und die Würdedes Esels gewiß in demselben burlesken Ton behandelt hat, wie denn aufdiesem Boden derbe Stoffe und Spaßmacherei heimisch waren. Doch müssenden genialen Jüngling damals die großen kirchlichen Streitigkeiten auch ernstberührt haben! Denn schon der Novize entfernte aus seiner Zelle die Hei-
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