so sind die, welche ihrer Familie angehören oder ihre Gnade erworben, ihrwesentliche Dienste erwiesen haben, die Häupter des Staates und des Krieges.Das königliche Patronat breitete diesen Einfluß über die Kirche und die Uni-versitäten aus. Wir finden ihn aber auch in allen anderen Zweigen. DerAgent der Geldgeschäfte der Königin war der Stifter der Börse von London,der sie bei einem Besuch den Namen des königlichen Wechselhauses gab.Auch in der Literatur nimmt man die Spuren ihres Geschmackes und ihrerEinwirkung wahr. Es gehörte zum Ton der guten Gesellschaft, daß die Klas-siker ein allgemeines Studium bildeten. Darauf war die höhere Bildung ge-richtet, wie ja die Königin selbst darin Erholung und Geistesnahrung fand.Man übersetzte viel und erneuerte die Formen der alten Dichter oder ahmtesie nach. Die Italiener und Spanier, die mit ähnlichen Versuchen vorange-gangen waren, erweckten wieder den Wetteifer der Engländer. Bei EdmundSpenser, in dem wohl der Sinn der Zeit am lebendigsten zutage gekommen ist,stößt man überall auf Nachahmung lateinischer oder italienischer Poeten,die hier und da an umschreibende Übersetzung streift und in Feinheit derZeichnung hinter den Originalen, selbst der modernen, zurückbleiben mag,da er sich eben ihre gelungensten Stellen dazu auserwählte; aber wie atmenseine Werke im großen und ganzen doch einen so durchaus andern Geist 1Was bei den Italienern ein Spiel der Phantasie ist, wird bei ihm ein tiefer mo-ralischer Ernst. Die englische Nation hat einen unschätzbaren Besitz andiesen Werken von sittlich-religiösem Adel und naiver Naturanschauung, diesich durch den glücklichen Ausdruck einzelner Stanzen dem Gedächtnis einesjeden einprägen. Was ist es aber, was er hauptsächlich feiert? Es ist eben dergroße Kampfgesang, in welchem seine Nation gegen das Papsttum und dieSpanier begriffen ist. Feary Queen ist seine Königin, deren Gestalt in mannig-faltiger Symbolisierung der Eigenschaften, die sie besaß oder die man ihr zu-schrieb, darin immer aufs neue hervortritt. Mit wunderbarer Macht vereinigteElisabeth alle strebenden Geister und Kräfte der Nation um sich her.Nicht wenige Produktionen der Zeit haben einen so starken Beigeschmackvon der Verehrung der Königin, daß sie ein Lächeln abnötigen, aber wahr istes doch, daß an diesem Hofe die Sprache sich bildete und alle großen Bestre-bungen ihren Mittelpunkt fanden. Die Staatsmänner Elisabeths, die sich einemParlament gegenüber sahen, das nicht durch bloße Autorität geleitet werdenkonnte, studierten die Regeln der Beredsamkeit an den Mustern des Alter-tums und machten sich ihre Lehren zu eigen. Auf ihrem Arbeitstische fandman Quintilian neben den juridischen Akten.
Die Königin, welche das Theater liebte und es durch eine Verordnung zu einemnationalen Institut machte, hat die Möglichkeit der Entwicklung Shakespearesgegeben; er wurzelt in dieser Epoche, er stellt ihre Sitten und Lebensweise
dar, aber er reicht doch weit über sie hinaus.-------
In jedem großen Leben wird ein Augenblick eintreten, wo die Seele empfindet,daß sie nicht in der gegenwärtigen Welt aufgeht und sich von derselben zu-rückzieht. Noch einmal ließ Elisabeth die englische Liturgie in ihrem Wohn-zimmer ausführen; da saß sie hierauf Tag und Nacht auf den Kissen, mitdenen es bedeckt war, in tiefem Schweigen, den Finger am Mund; sie ver-
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