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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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DIE STAATENWELT

i. WISSEN VOM STAATE

DER URANFÄNGLICHE STAAT

Dem Staate geht kein Naturzustand voran, der von blinden Trieben und ver-nunftlosen Menschen handelt. Der Naturzustand des Menschen ist, Vernunftzu besitzen, ein Über und ein Unter sich zu unterscheiden.Der Staat ist also keine Erfindung, weder der Not noch der Kunst, keine Aktien-gesellschaft, keine Maschine, kein aus einem frei aufgegebenen Naturlebenhervorspringendes Vertragswerk, kein notwendiges Übel, kein mit der Zeitheilbares Gebrechen der Menschheit, er ist eine ursprüngliche Ordnung, einnotwendiger Zustand, ein Vermögen der Menschheit und eines von den dieGattung zur Vollendung führenden Vermögen.

Der Staat ist uranfänglich. Die Urfamilie ist Urstaat. Jede Familie, unab-hängig dargestellt, ist Staat.Der Mensch ist von Natur ein Staatswesen."(Aristoteles.)

Was man in der Beschreibung ungebildeter Völker Naturstand nennt, ist nurein Minus der Staatstätigkeit, das aus einem unentwickelten Bewußtsein desStaates stammt. Man kann mehr Volk als Staat sein, aber man kann nichtVolk ohne Staat sein. Die Aufgabe ist, den Staat im Volksbewußtsein zu

vollenden.--------

Gleiche Volksart von Haus aus, das will sagen, ein köperlich und geistiggleichartiger Menschenschlag, gleiche Sprache als Zeugnis seit Jahrhundertengleichverstandener Lebenserfahrungen, geben eine glückliche Naturausstat-tung auf dem Wege zur Staatsausbildung. Aber die Geschichte hat von jeherhäufig die stille Ur-Bildung der Natur unterbrochen, verschiedenartige Stämmeund Volkstümlichkeiten übereinander geschichtet und aus der Vermischungmanchmal eine zweite gelungenere Natur und gediegene Staatsbildungen ge-wonnen. Aus Pelasgern, Thrakern, Achäern, Ioniern erwuchs das lebens-volle Volk von Attika, und seit das Christentum unserm Weltteile Einheit derReligion gab, konnte selbst Briten, Römern, Sachsen, Normannen, nachdemdie furchtbaren Krisen des ersten Zusammentreffens überwunden waren, derStaat von England gelingen. Tritt so das Band der ursprünglichsten Bluts-verwandtschaft allmählich zurück, so verstärkt sich dagegen das Band desörtlichen Zusammenseins mit dem Wachstum der Bildung. Das unbestimmteHeimatsgefühl der Natur-Völker, welches hauptsächlich Liebe zu den Ge-nossen und zu gewissen Lebensarten ist, steigert sich mit dem Fortrücken derBildung und namentlich durch Werke der bildenden Kunst zur örtlichstenVaterlandsliebe. (F. C. Dahlmann, Die Politik auf den Grund und das Maßder gegebenen Zustände zurückgeführt, 1835.)

19 Wolters, Der Deutsche. 111,3.

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