lische Flotten Pondichery, Tabago, griffen Martinique an. Gleichzeitig ge-wann der Aufruhr in der Vendee eine furchbare Ausdehnung, bis auf Nanteswurden die republikanischen Truppen zurückgeworfen; in Marseille, in derBretagne, in Bordeaux derselbe Hader, in Lyon kam es zum offenen Kampf,und es siegten die Anhänger der Gironde über die Jakobiner, der Bürger-krieg verbreitete sich weiter und weiter. Schon war Polens Zerstückelungvollbracht, Frankreich schien demselben Schicksal erliegen zu müssen.So weit ist dies Frankreich gebracht, in immer neuen Umwälzungen hat esalle auswärtige Verbindung, allen Wohlstand, alle gewohnte Ordnung, alleVergangenheit eingebüßt; es ist auf das nackte Dasein einer durch Lokal undSprache natürlich geeinten Menschenmasse zurückgeführt. Dies ist das einzigePositive, was man noch hat, die einzige Gemeinsamkeit, die den einzelnennoch trägt, sie ist der einzige Schutz, der übrigbleibt gegen das Strafgericht,das die Mächte bereiten, gegen die rings andräuende Rache der Verjagten, Be-raubten, Mißhandelten, des vergossenen Blutes. Und eben nun soll sich dieseEinheit in wildem Bürgerkriege zerreißen? Um jeden Preis innere Ruhe, na-tionale Einheit! Diese 25 Millionen müssen, auf daß jedes Zerfallen unmöglichwerde, wie vulkanisch zusammengeschmolzen werden zu einer in sich völliggleichen basaltischen Masse, zu einer durch und durch identischen Einheit, zueiner politischen Monade. Es ist die einzige Sittlichkeit, die es noch gibt, jedensonstigen Inhalt der Persönlichkeit dahinzugehen und in dieses öde Einerlei derNation zu versinken. Und an der Zeit ist das Regiment, dem diese Aufgabe zu er-füllen gelingt, die furchtbarste Mission, die je Menschen zuteil geworden, selbst in-mitten des Fanatismus, der die Nation durchkrampft, empörend anzuschauen.Das ist das grausig großartige System des Schreckens. Mit blutigster Konse-quenz ward es hindurchgeführt. Dieser Fanatismus, diese eisige Kälte, imDienst des Allgemeinen alles Besondere, Private, Persönliche hinzugeben,jedes andere Empfinden zu ertöten, das ist die Tugend, deren schöner Nameimmer wieder die Verhandlungen jener dunklen Zeit durchtönt. Es ist dieTugend, wie sie das Gesetz des Lykurgus fordert, wie sie Brutus und Papiriusgeübt haben, es ist der völligste Gegensatz gegen die Lehren des Christentums.Wie sind sie ganz aus der Vorstellung geschwunden, wie ist man ganz in dieWeltlichkeit, in die Angst und Verwilderung und Betörung des irdischen Da-seins hinabgedrängt! Noch einmal, wie in den Zeiten des heidnischen Alter-tums, ist das nationale Dasein das Höchste und Letzte, das Einzige. Ihm opfertman alles, aus ihm wird alles geprägt; aus ihm der Staat, denn das Volk istder Staat, aus ihm die bürgerliche Gesellschaft, denn sie besteht nur noch ausunterschiedlosen Atomen, aus ihm die Religion, man schreitet fort bis zurgesetzlichen Aufhebung des Christentums, bis zum peuple dieu. SeltsamerGang der Revolution! (Johann Gustav Droysen, Vorlesungen über das Zeit-alter der Freiheitskriege. 1846.)
GRENZENLOSE ÜBERSTEIGERUNG ALS GANG DER REVOLUTION
Revolutionen sind wie der Tod, vor dem nur Feige zagen, mit dem aber nurdie Frivolität zu spielen wagt. So furchtbarer Bedeutung sind diese Kata-
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