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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Strophen in der Geschichte und so ernsten, tiefen Inhalts, daß nur Verrückteoder Verzweifelte sie herbeiwünschen mögen. Eine Staatsumwälzung kanneinzig das Werk der Leidenschaften sein; darum ist Religion, Sitte, Geist,Wissenschaft, Erfahrung, alles ihr nur hinderlich; und wie die Natur im stärk-sten Fieberanfall mitleidig durch Delirien den Geist verhüllt, daß er durch seinEinschauen nicht die Lebenskräfte in der Tiefe stört, so muß auch in solchemParoxismus ein Volk zum Wahnsinn kommen, wenn die Krankheit wirklichzu einer kräftigen Krise gedeihen soll. Darum ist es wohl anfangs ein leichtesDing, daß die Schwachen weichen müssen größerem Talente; auch läßt sichwohl alles vielversprechend an, indem ein ungewöhnliches Lebensgefühl undeine frische Begeisterung das Bessere leicht in die Höhe treibt, und die erstenParteien wohl die meisten Gutgesinnten in sich beschließen. Aber da die Achse,die alle Elemente des Vereins zusammenhält, gebrochen ist, und nun jedesseiner eigenen Schwerkraft folgt, so kann die Herrschaft des Geistigen, daswesentlich gemessen und geordnet ist, nicht lange bestehen, und nach denpathetischen Kräften müssen allmählig absteigend die tierischen ihr Rechtbehaupten und das Regiment führen in einer Zeit, die wesentlich dem Waltenphysischer Mächte anheim gefallen. Darum muß jede folgende Partei not-wendig der vorhergehenden in jeder Art von Übertreibung den Rang ablaufen;jede, der es gelingt, die Angelegenheit um einen Schritt näher zum Extrem zu

treiben, wird sicher die gemäßigtere stürzen und verderben,-------bis endlich

Schritt vor Schritt die ganze Leiter menschlichen Frevels durchlaufen, allesBestehende gestürzt, alles Feste zerschmettert, alles Hohe geschleift, allerBesitz gewechselt ist. (Görres, Teutschland und die Revolution, 1819.)

NAPOLEON DER STAATLICHE BÄNDIGER DER REVOLUTION

Nie hat es einen größeren Feldherrn, einen umsichtigeren Regenten gegebenals Napoleon, nie genug bewundern kann man die Kühnheit und Großartigkeitseiner Gesichtspunkte, die Schärfe seines Verstandes, die blitzgleiche Schnellig-keit seiner Intuition, die feste Geschlossenheit seiner Willenskraft. Keine Un-möglichkeit, die ihn hemmt, keine Schwierigkeit, die er nicht mit sichererKühnheit löst. Alle Gewalten des Menschengeistes vom heftigsten Zorn biszum bezaubernden Lächeln, vom begeisternden Aufruf bis zur logischenDeduktion stehen ihm in jedem Augenblick zu Gebote. Das Nächste wie Fernste,das Geheimnis der Verhältnisse wie die leisesten Regungen der Seele, durch-schaut er mit einem Blick, und jedem weiß er seine Stelle zu geben; nie trügtihn seine Wahl der Personen, seine Schätzung der Mittel, nie fehlt er seinesZieles. Alles weiß er, kann er, will er, er ist ein Riese menschlicher Be-gabung. --------

Er war Monarch; freilich nicht in der bequemen Weise der Könige des altenEuropa; er war Monarch der Republik, der Revolution; auf der tabula rasader Revolution, aus den staatlichen Rudimenten, welche die Republik geschaf-fen, hatte er eine Monarchie zu gestalten, die, nicht getragen durch ein altesund heiliges Herkommen, nicht befugt durch irgendeinen Vorgang überirdi-scher Weihe, keine andere Legitimität hatte und haben konnte, als sich durch

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