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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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Kriege? Daher die ungerechten flandrischen und holländischen Feldzüge,deren Ursachen er aus der Luft griff und die den Niederlanden sowohl alsunserm unschuldig-armen Deutschland so hart fielen. Wahre Grundsätzeder Billigkeit, des Rechts der Völker, der Gerechtigkeit selbst in Haltung derVerträge existierten in Ludwigs Gemüt nicht, oder sie wurden verlöscht,sobald seine hohe Eitelkeit im Spiele war. Das Glück förderte diese zuerstmächtig. Denn war er nicht jung, reich, verschlagen, kühn, unermüdet,dieser lustprangende Allgebieter? Er selbst kein Kriegsmann, aber die bestenFeldherren, die tapfersten Heere standen ihm zu Gebote; England selbst dienteseinem Willen, und das zerrüttete, verteilte Deutschland schmiegte sich odergeriet gar in den Wahnsinn, ihn nachzuahmen. Durch Kriegskunst verschanztesich sein Reich auf ewige Zeiten; die trefflichen Anstalten, die Colbert im Innerntraf, machten seine Regierung zur glänzendsten in Europa. Wäre der Nimwegi-sche Friede sein letzter gewesen 1 wäre er auf Colberts Bahn fortgeschritten!Aber im häßlichen Louvois stand ihm sein böser Genius entgegen, das schiefeFenster zu Trianon entflammte einen neuen Krieg, in dem die Schale schonwankte.

Dritter Akt. Wilhelm von Oranien, das fürchtende Europa stand gegen ihnauf, und wiewohl seine Heere fast immer siegten, die Feinde fast allent-halben unterlagen, wo Ludwigs eitle Anwesenheit bei der Armee ihnen nichtselbst aushalf. Nemesis drehte das Rad leise. Frankreich ward allgemach er-schöpft, die allgemeine Meinung kehrte sich ihm entgegen; es mußte zuRyswik einen härtern Frieden eingehn, als der Weltgebieter wollte. Und wäreauch dieser nur sein letzter gewesen I Denn Colbert und seine andern sacher-fahrnen Minister waren dahin und keine neuen vorbereitet, weil Ludwig seinenRuhm darin setzte, die unerfahrensten zu wählen und selbst sie zu bilden.Auch die meisten der alten Feldherrn waren nicht mehr; die noch waren, wur-den zurückgesetzt, weil das Zeitalter der Andächtelei des Königs und des Hofes,in der ihn, traurig genug, das neue Jahrhundert fand, andächtige Feldherrnwollte. Ein Mausoleum war der Hof worden: statt Quinaults Opern sang manChöre der Athalie und Esther.

Vierter Akt. Unter solchen Umständen reizte Nemesis ihn; man rief seinenEnkel auf den Spanischen Thron, und Ludwig konnte sich des Krieges nichtentschlagen. Hier folgten nun Schlag auf Schlag die Unglücksfälle, derenUrsachen offenbar in der schlechten Wahl der Königsdiener und Feldherrnsowie in andern bekannten Verderbnissen lagen. Kein Verständiger wirdbei Turin, Hochstedt und so fort das französische Heer feig und ehrlos schelten;noch war es, was es in den siegreichsten Zügen gewesen war, seinem Königetreu, munter, ruhmbegierig und tapfer. Aber jene durch Gunst erwähltenund unterstützten Generale (sie sind des Nennens unwert), sie waren Un-geschickte. Das Böse, das wider ihren Willen die fromme und feine Main-tenon in solchen Wahlen über Frankreich gebracht hat, ist kaum zu berechnen.Mit der treuesten Absicht ward sie die Dienerin des strengen Schicksals.Nun folgten alle die Kränkungen, durch welche Ludwigs kleinste Eitelkeit ge-demütigt ward; sie wurden ihm alle wie vorgezählt. Und alles ertrug Ludwig,so tief ers fühlte, mit seinem Anstände, mit seiner Großmut. Sich glaubte er

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