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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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kluge königliche Diplomatie endlich hatten dem Dreißigjährigen und demFranzösisch-Spanischen Kriege ein solches Ende gegeben, daß durch den West-fälischen und den Pyrenäischen Frieden an die Stelle der spanisch-habs-burgischen die französische Vorherrschaft über Europa getreten war. (Fried-rich Wolters, Colbert, 1921.)

LUDWIG XIV

Wir treten näher der Höhle des alten Königs-Löwen, der ein halbes Jahr-hundert hindurch Europa mit seiner Stimme erschreckt, mit seinem gebietendenAntlitz in Ehrfurcht gesetzt, einen Teil desselben mit seinen Waffen zerrissenund gerade in diesem mit seinem anständigen Löwengange eine Schar andrerTiere zu possierlichen Nachahmern seiner Größe gemacht hatte, Ludwig desVierzehnten. Den sechzigjährigen Monarchen fand das neue Jahrhundertetwas mißbeholfen; es gab ihm manches zu tun und zu leiden. Wenn in derLebens- und Regierungsgeschichte eines Königs die streng-milde Nemesis sicht-bar geworden, ists in der seinigen; er lebte und regierte lange genug, um ihrlangsames Rad sich um und um kehren zu sehen, und was er mit sorglos-königlicher Hand reich gesäet hatte, auch sorgenvoll königlich zu ernten.Der Prolog mag uns seine vernachlässigte Erziehung und Szenen der Un-ruhe, die man gewöhnlich die Fronde nennt, erzählen; als ein Flüchtiger er-lebte sie das königliche Kind, der königliche Jüngling. Tiefer als alle Lehren,drücken sich erlebte Begebnisse der Kindheit und Jugend ein; dem jungenKönige ward die Lehre, dergleichen Unruhen, Anmaßungen der Großen,Mazarins Allgewalt, Unternehmungen des Parteigeistes und so fort bloßmit seiner Königsgebärde zu unterdrücken, ins Ohr gesagt. Alle Macht desStaats, ja, den Staat selbst in sich zu vereinen, die Königsmaxime ruhte inihm, ehe er sie sich selbst sagte.

Der erste Akt begann, wie gewöhnlich, mit großen Hoffnungen, Lustbar-keiten und Tänzen. Was unter Richelieu und Mazarin Fröhliches und Schönesaus Spanien und Italien gekommen, in Frankreich neu erwachsen war, dientedem galanten Jünglinge zu Liebschaften, zu jeder Nahrung seiner Eitelkeitund Ruhmsucht. Es waren Tage des Vergnügens, zu denen alles zusammen-traf, was sich schwerlich wieder zusammenfinden dürfte. So bildete sich derWunsch des jungen Mannes, allenthalben nur ausgezeichnet zu sein und sichselbst auszuzeichnen. Mit Anstand tat er dies, obgleich nicht immer mitTugend, eitel-erhaben oder erhaben-eitel, ein Charakter, dem er auf Wegund Stegen, im Kabinett wie im Felde, bei Tafel wie im Schlafgemach, aufdem Todbette selbst treu geblieben. Denn wie er gelebt hatte, so starb Lud-wig. Eben aber diese erhabene Eitelkeit, die hohe Simplizität des Anstandesund Scheines verschaffte ihm jenes Heer von bewundernden Nachahmern.Der wahre Ruhm ist schwer zu erreichen, weil er Entsagung, Mühe, Ernstkostet; der Anschein des Ruhms, die hohe Haltung, der fesselnde Anstanderwirbt sich leichter.

Der zweite Akt folgt aus dem ersten. Wie konnte der galante Held sich rau-schend-glänzender auszeichnen, als, da ihm alles zu Gebote stand, durch

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