in jedem General geschlagen und beklagte die Geschlagenen, statt Fehler ernstzu untersuchen und zu bessern. Sein „Ich, der Staat" half ihm jede Nieder-trächtigkeit, die man von ihm forderte, verschmähen, jeden schimpflichenSchmerz, den ihm das Schicksal schlug, ausdauern.
Fünfter Akt. Die herbste Schale hatte er noch zu leeren. Er, der sich in seinemGeschlecht für eine Ewigkeit unsterblich gewähnt und sich daher gegen seinerechtsmäßigen Kinder, Enkel, Anverwandte despotische Härten erlaubt hatte,er war ausersehen, nicht nur seine liebste Gesellschafterin und Schwieger-tochter, sondern ihr nach, Schlag auf Schlag, Enkel und Urenkel zu verlieren.Ein einziges vierjähriges Kind blieb hinter ihm. Nach allen diesen Ahndungen,deren jede ihn seiner begangenen Ausschweifungen wegen einzeln zieh, sprachNemesis: Genug! und ließ den immer anstandvollen König anständig sterben.Zwei Jahre vor seinem Tode war der Utrechter Friede geschlossen, der seinemEnkel den spanischen Thron sicherte, die französische Monarchie unzergliedertließ, und den zu seiner Freude ihm das Glück selbst durch einen schnell wieder-kehrenden Strahl des Sieges bei Denain erleichtert hatte. Ruhig starb er; nursein Land war traurig verarmt, geistlicher Streitigkeiten voll und entvölkert.(Herder, Adrastea, 1801/1804.)
DAS MERKANTILSYSTEM IN FRANKREICH
Das Merkantilsystem war in der Staatsverwaltung zur vollen Durchbildunggelangt. Die Aufgabe der Herrschenden ging dahin, möglichst viel Edel-metall als das wichtigste Tauschobjekt im Welthandel nach Frankreich ein-zuführen und die Ausfuhr zu verhindern. Man mußte daher für die Ausfuhrder heimischen gewerblichen Erzeugnisse und den Schutz gegen fremde be-dacht sein. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die ganze Handelspolitik desKönigs zu betrachten. Als Spanien starke Schutzzölle aufrichtete, zwang einefranzösische Flotte vor Kadix den Nachbarn zur Niederlegung derselben. DieZwischen-Zollinien im Reiche wurden beseitigt, durch neue Straßenbauten derVerkehr von Provinz zu Provinz und zur Reichsgrenze gehoben, der Polizei-dienst zu Land und zur See verbessert, Kanäle und Häfen gebaut, kurz, dieVolkswirtschaft in den Rat der Krone eingesetzt. Unter allen Erzeugnissenmußten aber die Werke der Kunst dem Staatsmann als die wichtigsten er-scheinen. Aus geringen Rohmitteln schuf sie die größten Werte. Sie übertrafhierin das Handwerk und noch mehr die Landwirtschaft. Die Reihenfolge derNützlichkeit der Gewerbe war nach der Höhe der durch sie bewirkten Wert-steigerung der Materialien leicht zu bestimmen. Wer Gobelins schuf, galtdem Staate mehr, als wer Leinen webte, je feiner, wertvoller die Arbeit,desto höher ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Kunst zu unterstützenwar also nicht nur eine Ehrenpflicht eines feinsinnigen Hofes, sondern einelebhaft befürwortete Forderung der Wirtschaftspolitik. Der Erfolg der näch-sten Jahrzehnte bewies, daß dieser Grundsatz richtig war, und schwerlichwäre er durch die Anschauungen der Physiokraten und Adam Smiths so frühverdrängt worden, wenn nicht eine weitere Folgerung ihn bis zur Lächerlich-keit übertrieben hätte. War es nämlich die wesentlichste Aufgabe des Staates,
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