er bittet den Kaiser, auszuharren, indem er sich nur aufs Schiff verfüge, seineWunde zu verbinden. Der Kaiser ermahnte ihn, der Wunde als einer leichtennicht zu achten; Giustiniani ließ sich aber nicht abhalten. „Wohin? Wohin?"fragte der Kaiser. „Dorthin," entgegnete Giustiniani, „wohin Gott selbstden Türken den Weg öffnet", und entwich nach Galata, vergangenen Ruhmsund künftiger Schmach vergessend. Seine Entfernung verbreitete Mutlosig-keit unter der Truppe, und Saganos-Pascha, welcher die Verwirrung unter denReihen der Belagerten gewahr ward, feuerte seine Janitscharen von neueman. Einer derselben, ein riesenhafter Mann, namens Hasan aus Ulubad, mitder linken Hand das Schild über den Kopf haltend, in der rechten den Säbel,erklimmt die Mauer mit dreißig anderen. Die Belagerten wehren sie mitPfeilen und Steinen tapfer ab, achtzehn Janitscharen stürzen sogleich hinunter,mehrere andere, welche Hasan ihm nachzufolgen aneifert, haben dasselbeSchicksal. Hasan selbst, von einem Steine getroffen, sinkt zur Erde, dochrichtet er sich wieder halb auf, und unfähig, aufzustehen, hält er sich kniendmit dem Schilde über dem Haupte empor, bis ihm auch dieser durch den Stein-regen entfällt und er unter den Pfeilen erliegt. Während das Tor des heiligenRomanos, gegen welches der Hauptangriff gerichtet war, so tapfer vertei-digt wurde, waren die Türken bereits an einem anderen Punkte in die Stadtgedrungen, und zwar durch das sonst der Prophezeiung wegen, daß durch das-selbe die Feinde eindringen würden, verrammelte Tor des Holzreifs (Xylo-kerku), welches erst Tags vorher auf Befehl des Kaisers zu einem aus dem-selben dem Feinde nicht zu vermutenden Ausfall geöffnet worden war. Fünf-zig Türken drangen durch dasselbe ein und griffen die Verteidiger im Rückenan. Da erscholl an dem Tore des heiligen Romanos vom Hafen her der Ruf,daß die Stadt bereits eingenommen sei, und verbreitete neuen Schrecken in denverdünnten Reihen um den Kaiser. Zwar taten Theophilos der Paläologe, DonFrancesco Toledo der Spanier, und Joannes der Dalmate Wunder der Tapfer-keit, aber der Kaiser sah, daß wider die Übermacht der eindringenden Feindeder Widerstand vergeblich. Ich will lieber sterben, als leben, ruft er, sich denStürmenden entgegenwerfend, und als er sich von den Seinigen, welche dieFlucht ergriffen hatten, verlassen sieht, ruft er das beklagenswerte Wort: Istdenn kein Christ vorhanden, der mir den Kopf nehme! riefs und fiel unter denSchwertstreichen zweier Türken, deren einer ihm ins Gesicht, der andere vomRücken einhieb, unerkannt mit den Erschlagenen vermengt, der siebentePaläologe, Konstantin Dragoses, der letzte der griechischen Kaiser, in Ver-teidigung der vom ersten Konstantin erbauten Mauern der Hauptstadt desvon diesem gegründeten tausendjährigen byzantinischen Reiches. Die Türkenbrachen nun zugleich auf der Landseite durch das Tor Charsias oder Kali-garia (Egrikapu, d. i. das krumme Tor) über einen Damm von Erschlagenen,welche den Graben und die Bresche füllten, in die Stadt ein, die von den Mauernfliehenden Soldaten niedermetzelnd, weil sie die Besatzung wenigstens fünf-zigtausend Mann stark glaubten. So fielen ein paar tausend, bis die wahreSchwäche der Griechen entdeckt und hierauf das Blutbad eingestellt ward.Auch diese paar tausend würden nicht dem Schwerte geopfert worden sein,hätten die Türken gleich anfangs gewußt, daß die Besatzung nicht mehr als
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