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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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in Ruhe erhalten und durch sich seine nächste Umgebung und hätte ohnealle künstliche Vorkehrung durch sein bloßes natürliches Dasein allem dasGleichgewicht gegeben. Nur der Trug des Auslandes mischte dasselbe in seineUnrechtlichkeit und seine Zwiste und brachte ihm jenen hinterlistigen Begriffbei als eins der wirksamsten Mittel, dasselbe über seinen wahren Vorteil zutäuschen und es in der Täuschung zu erhalten. Warum soll das alte Traum-bild noch immer uns vor die Augen gestellt werden, nachdem das Übel unsaus dem Schlafe geweckt hat? Warum sollen wir nicht wenigstens jetzt dieWahrheit sehen und das einzige Mittel, das uns hätte retten können, erblicken ob vielleicht unsere Nachkommen tun möchten, was wir einsehen, so wiewir jetzo leiden, weil unsere Väter träumten. Lasset uns begreifen, daß derGedanke eines künstlich zu erhaltenden Gleichgewichts zwar für das Auslandein tröstender Traum sein konnte bei der Schuld und dem Übel, welche dasselbedrückten; daß er aber als ein durchaus ausländisches Zeugnis niemals in demGemüte eines Deutschen hätte Wurzel fassen und die Deutschen niemals indie Lage hätten kommen sollen, daß er bei ihnen Wurzel fassen gekonnt hätte,daß wir wenigstens jetzt in seiner Nichtigkeit ihn durchdringen und daß wireinsehen müssen, daß nicht bei ihm, sondern allein bei der Einigkeit der Deut-schen unter sich selber das allgemeine Heil zu finden sei. (Fichte, Reden andie deutsche Nation, 1807/1808.)

DIE EROBERUNG KONSTANTINOPELS DURCH DIE TÜRKEN 1453

Mit dem zweiten Hahnenruf des neunundzwanzigsten Mai, am Tage der hei-ligen Theodosia, begann der Kampf, doch diesmal ohne das gewöhnlich ge-gebene Signal der großen Kanone. Um die Griechen zu ermüden, schickteMohammed in der ersten Dämmerung die Rekruten und die Invaliden seinesHeeres zum Angriffe, den Kern desselben zum späteren Sturme vorbehaltend.Es ward von beiden Seiten tapfer gekämpft, von türkischer mit größerem Ver-luste. Als der Morgen anbrach, erschien die ganze Stadt von den Türken wievon einem Stricke, der sie zu erwürgen drohte, umflochten; ein ungeheuresGetöse von Hörnern, Trompeten und Pauken, mit Schlachtgeheul vermischt,erscholl. Alle Batterien der Belagerer brannten ihre Kanonen zugleich los,und zugleich begann der Angriff von allen Seiten, so zu Land als im Hafen.Zwei Stunden lang wütete der Sturm ohne Fortschritt des Feindes. Tschauschestanden in dem Rücken der Stürmer, sie mit eisernen Ruten und Ochsensehnenvoraustreibend. Der Sultan selbst gebrauchte bald Schmeichelworte baldDrohungen von seiner eisernen Keule unterstützt. Steine, von Türmen ge-schleudert, stürzten die Angreifenden hinunter, griechisches Feuer strömtevon den Mauern der Hafenseite in das Meer und brannte in demselben fort,Leitern zerbrachen auf Leitern, Kugeln zerschellten an Kugeln, schwarzerPulverdampf deckte die Stadt und die Sonne. Theophilos der Paläologe undDemetrios der Cantacuzene trieben die Stürmer ab, der Kaiser saß zu Pferdeund ermunterte die Seinigen durch Wort und Tat. Da verwundet eine Kugeloder ein Pfeil dem Giustiniani (der Anführer der vom Kaiser zu Hilfe gerufenenGenueser, Generalissimus der Belagerten) den Arm oder den Schenkel oder beide,

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