mit ihnen ihren Nebenbuhlern die Beute zu entreißen; es mußte ein Mittelgefunden werden, um diesen Zweck zu erreichen, und die ausländische Schlau-heit siegte leicht über die deutsche Unbefangenheit und Verdachtlosigkeit.Das Ausland war es, welches zuerst der über Religionsstreitigkeiten entstan-denen Entzweiung der Gemüter in Deutschland sich bediente, um diesen In-begriff des gesamten christlichen Europa im kleinen aus der innig verwachse-nen Einheit ebenso in abgesonderte und für sich bestehende Teile künstlichzu zertrennen, wie erst jenes über einen gemeinsamen Raub sich natürlichzertrennt hatte. Das Ausland wußte diese also entstandenen besonderen Staa-ten im Schöße der Einen Nation, die keinen Feind hatte, denn das Auslandselbst, und keine Angelegenheit denn die gemeinsame, gegen die Verführungenund die Hinterlist dieses mit vereinigter Kraft sich zu setzen — es wußte dieseeinander gegenseitig vorzustellen als natürliche Feinde, gegen die jeder immer-fort auf der Hut sein müsse, sich selbst dagegen darzustellen als die natür-lichen Verbündeten gegen diese von den eigenen Landsleuten drohende Ge-fahr, als die Verbündeten, mit denen allein sie selbst ständen oder fielenund die sie daher gleichfalls in ihren Unternehmungen mit aller ihrer Machtunterstützen müßten. Nur durch dieses künstliche Bildungsmittel wurdenalle Zwiste, die über irgendeinen Gegenstand in der alten oder neuen Weltsich entspinnen mochten, zu eignen Zwisten der deutschen Stämme unterein-ander; jeder aus irgendeinem Grunde entstandene Krieg mußte auf deutschemBoden und mit deutschem Blute ausgefochten werden, jede Verrückung desGleichgewichts in derjenigen Nation, der der ganze Urquell dieser Verhält-nisse fremd war, ausgeglichen werden, und die deutschen Staaten, deren ab-gesondertes Dasein schon gegen alle Natur und Vernunft stritt, mußten, damitsie doch etwas wären, zu Zulagen gemacht werden zu den Hauptgewichten inder Wage des europäischen Gleichgewichts, derem Zuge sie blind und willen-los folgten. So wie man in manchem ausländischen Staate die Bürger be-zeichnet dadurch, daß sie von dieser oder einer andern fremden Partei seienund für dieses oder jenes auswärtige Bündnis stimmten, solche aber, die vonder vaterländischen Partei seien, nicht namhaft zu machen weiß: so warendie Deutschen schon längst nur für irgendeine fremde Partei, und man trafselten auf einen, der die Partei der Deutschen gehalten und gemeint hätte, daßdieses Land sich mit sich selbst verbünden sollte.
Dies also ist der wahre Ursprung und die Bedeutung, dies der Erfolg fürDeutschland und für die Welt von dem berüchtigten Lehrgebäude eines künst-lich zu erhaltenen Gleichgewichts der Macht unter den europäischen Staaten.Wäre das christliche Europa eins geblieben, wie es sollte und wie es ursprüng-lich war, so hätte man nie Veranlassung gehabt, einen solchen Gedanken zuerzeugen; das eine ruht auf sich selbst und trägt sich selbst und zerteilt sichnicht in streitende Kräfte, die miteinander in ein Gleichgewicht gebrachtwerden müßten; nur für das unrechtlich gewordene und zerteilte Europa er-hielt jener Gedanke eine notdürftige Bedeutung. Zu diesem unrechtlich ge-wordenen und zerteilten Europa gehörte Deutschland nicht. Wäre nur wenig-stens dieses eins geblieben, so hätte es auf sich selbst geruht im Mittelpunkteder gebildeten Erde, so wie die Sonne im Mittelpunkte der Welt, es hätte sich
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