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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Besitzer austreiben; es kann, wenn es auch ausartet, bloße Raubzüge unter-nehmen, auf denen es, ohne des Bodens oder der Bewohner zu begehren,bloß alles Brauchbaren sich bemächtigt und die ausgeleerten Länder wiederverläßt; es kann endlich die frühern Bewohner des eroberten Bodens als einegleichfalls brauchbare Sache wie Sklaven der einzelnen unter sich verteilen;aber daß es die fremde Völkerschaft, so wie dieselbe besteht, als Bestandteiledes Staats sich anfüge, dabei hat es nicht den geringsten Gewinn, und es wirdniemals in Versuchung kommen, dies zu tun. Ist aber der Fall der, daß einemgleichstarken oder wohl noch stärkern Nebenbuhler eine reizende gemein-schaftliche Beute abgekämpft werden soll, so steht die Rechnung anders. Wieauch übrigens sonst das überwundene Volk zu uns passen möge, so sind wenig-stens seine Fäuste zur Bekämpfung des von uns zu beraubenden Gegnersbrauchbar, und jeder Mann ist uns als eine Vermehrung der öffentlichen Streit-kraft willkommen. So nun irgendeinem Weisen, der Friede und Ruhe ge-wünscht hätte, über diese Lage der Dinge die Augen klar aufgegangen wären,wovon hätte derselbe Ruhe erwarten können? Offenbar nicht von der natür-lichen Beschränkung der menschlichen Habsucht dadurch, daß das überflüssigekeinem nütze denn eine Beute, wodurch alle versucht werden, war vor-handen, und ebensowenig hätte er sie erwarten können von dem sich selbsteine Grenze setzenden Willen. Denn unter solchen, von denen jedweder allesan sich reißt, was er vermag, muß der sich selbst Beschränkende notwendigzugrunde gehen. Keiner will mit dem andern teilen, was er dermalen zu eigenbesitzt, jeder will dem andern das Seinige rauben, wenn er irgend kann. Ruhteiner, so geschieht dies nur darum, weil er sich nicht für stark genug hält,Streit anzufangen, er wird ihn sicher anfangen, sobald er die erforderlicheStärke in sich verspürt. Somit ist das einzige Mittel, die Ruhe zu erhalten,dieses, daß niemals einer zu der Macht gelange, dieselbe stören zu können,und daß jedweder wisse, es sei auf der andern Seite gerade so viel Kraft zumWiderstände, als auf seiner Seite sei zum Angriffe; daß also ein Gleichgewichtund Gegengewicht der gesamten Macht entstehe, wodurch allein, nachdemalle andern Mittel verschwunden sind, jeder in seinem gegenwärtigen Besitz-stande und alle in Ruhe erhalten werden. Diese beiden Stücke demnach:einen Raub, auf den kein einziger Recht habe, alle aber nach ihm die gleicheBegierde, sodann die allgemeine, immerfort tätig sich regende wirkliche Raub-sucht, setzt jenes bekannte System eines Gleichgewichts der Macht in Europavoraus, und unter diesen Voraussetzungen würde dieses Gleichgewicht freilichdas einzige Mittel sein, die Ruhe zu erhalten, wenn nur erst das zweite Mittelgefunden wäre, jenes Gleichgewicht hervorzubringen und es aus einem leerenGedanken in ein wirkliches Ding zu verwandeln.

Aber waren denn auch jene Voraussetzungen allgemein und ohne alle Aus-nahme zu machen? War nicht im Mittelpunkte von Europa die übermächtigedeutsche Nation rein geblieben von dieser Beute und von der Ansteckung mitder Lust danach und fast ohne Vermögen, Anspruch auf dieselbe zu machen?Es war dem nur den nächsten Augenblick berechnenden Eigennutze des Aus-landes nicht gemäß, daß es also bliebe. Sie fanden die deutsche Tapferkeitbrauchbar, um durch sie ihre Kriege zu führen, und die Hände derselben, um

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