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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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kröne, weil das am Main versammelte Volk sie bot und Habsburg grollte.Und zum Vergessen der Fürsten kam das der Führer des Volkes: unter tausendReden zu Frankfurt am Main fanden sie kaum ein Wort für die offene rhei-nische Flanke und gegen den westlichen Feind. Wohl war den Streitern derFreiheitskriege und ihren Söhnen, den Männern und Jünglingen des Wart-burgfestes und Hambacher Festes, unvertilgbare Sehnsucht nach dichtererEinheit wachgeblieben, aber durch westliche Hirngespinste von Völkerbund,Weltfrieden und Menschheitsbeglückung weichten sie selbst ihre Kräfte auf,durch den Glauben an die unbedingte Seligkeit der westlichen Vertretungs-formen der Volksgemeinde gaben sie den Willen zur eigenen deutschen Schöp-fung der Staatsgemeinschaft auf und mußten in Frankfurt lernen, daß Redenund fromme Wünsche keine Reiche aus den Angeln heben, daß Ideen undTheorien ohne Macht und Waffen, die sie verwirklichen helfen, keine Trag-kraft haben. Mit ihrer tiefen Enttäuschung erlosch der letzte Traum von alterdeutscher Herrlichkeit auf dem neuen Bildungsboden des Bürgertums, ver-blaßte der letzte Goldgrund gläubiger Schwärmerei aus romantisch-christ-licher Zeit.

An die Stelle der geistigen Ideen traten von nun an als einzige Wirklichkeitendiemateriellen Kräfte"; die Männer des Zoll- und des Nationalvereins be-griffen die Einheit nicht mehr als inneres Ziel einer deutschen Gemeinschaft,sondern als äußeren Zweck zur Verdichtung wirtschaftlicher Macht, und wennauch auf ihren Fahnen noch Freiheit, Völkerverbrüderung, Menschheits-glaube und ähnliches stand, so bedeutete das nach westlichem Muster Herr-schaft des Parlamentes, Verkehrs- und Handelsfreiheit, Aufhebung zwischen-staatlicher Zölle und ähnliches mehr. Sie glaubten diese Güter freilich nochimmer auf friedlichem Wege erreichbar, aber der harte Kanzler, der neben denmateriellen Kräften auch noch die staatlichen Spannungen unter den Völ-kern kannte, zerriß diesen letzten Schleier von altem Schwärmergeist undneuer Händlerfeigheit und belehrte sie bald, daß die Erringung jener Wirk-lichkeiten auf der rauhen Ebene von Blut und Eisen spielte: willig-wider-willig mußten sie das Reich als Schlachtenlohn aus seinen Händen nehmen,als Macht ihr Wunschbild, nicht als innerer Körper. Bismarck hatte seinzerrissenes Volk nicht fragen können, welche Formen es seinem neuen Körperwünschte, er hatte, von Gefahren drinnen und draußen stündlich umlauert,in sieben Jahren zusammengeschweißt, was siebenhundert zerbröckelt hatten,ihm war im Angesichte von Straßburg, vor den Trümmernarben von Speierund Worms der Zorn der Vergeltung und Rache aufgeflammt, er hatte als derwenigen einer die tiefste Gefahr am Rheine begriffen, als der Württembergerihm Süddeutschland unter den drohenden Schatten der Festen von Straß-burg und Breisach zeigte, er hatte ohne romantischen Traum und ohne west-liches Blendbild die Kräfte genutzt, die er vorfand: Fürstengeschlechter undVolksideen, Teilstaaten und Einheitswille, Bundesrat und Wahlparlament.Wenn die Klage zu Recht gilt, daß sein deutsches Reich unsäglich dünn angeistigem Gehalt, selbst unsäglich flach an innerem staatlichen Leben war,trifft mehr unser Volk die Schuld als ihn, der nur erst den freien gesichertenRaum nach außen und innen zu schaffen hatte: man darfvom treuen Diener

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