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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Friedensschlüsse in dieser Welt sind Provisorien, gelten nur bis auf weiteres;die politischen Beziehungen zwischen unabhängigen Mächten bilden sich inununterbrochenem Flusse, entweder durch Kampf oder durch die Abneigungder einen oder der andern Seite vor Erneuerung des Kampfes. Eine Versu-chung zur Erneuerung des Streites in Deutschland wird für die Kurie stets inder Entzündlichkeit der Polen, in der Herrschsucht des dortigen Adels und indem durch die Priester genährten Aberglauben der unteren Volksschichtenliegen. Ich habe im Kissinger Lande deutsche und schulgebildete Bauern ge-funden, die fest daran glaubten, daß der am Sterbebette im sündigen Fleischestehende Priester den Sterbenden durch Verweigerung oder Gewährung derAbsolution direkt in die Hölle oder den Himmel schicken könne, man ihn alsoauch politisch zum Freunde haben müsse. In Polen wird es mindestens ebensosein oder schlimmer, weil dem ungebildeten Manne eingeredet ist, daß deutschund lutherisch ebenso wie polnisch und katholisch identische Begriffe seien.Ein ewiger Friede mit der römischen Kurie liegt nach den gegebenen Lebens-bedingungen ebenso außerhalb der Möglichkeit, wie ein solcher zwischen Frank-reich und dessen Nachbarn. Wenn das menschliche Leben überhaupt aus einerReihe von Kämpfen besteht, so trifft das vor allem bei den gegenseitigen Be-ziehungen unabhängiger politischer Mächte zu, für deren Regelung ein be-rufenes und vollzugsfähiges Gericht nicht vorhanden ist. Die römische Kurieaber ist eine unabhängige politische Macht, zu deren unabänderlichen Eigen-schaften derselbe Trieb zum Umsichgreifen gehört, der unsern französischenNachbarn innewohnt. Für den Protestantismus bleibt ihr das durch keinKonkordat zu beruhigende aggressive Streben des Proselytismus und derHerrschsucht: sie duldet keine Götter neben ihr. (Bismarck, Gedanken undErinnerungen, 1898.)

DIE NEUE EINHEIT UND DIE RISSE IM BAU

Die staatliche Einheit der Deutschen ist unauflöslich mit dem Schicksal desRheines verknüpft, das hatten Schmach und Knechtschaft genug gezeigt.Erst jetzt zum ersten Male im Jahre 1812", schrieb der junge Moltke bei derBetrachtung der westlichen Grenze,waren alle Deutschen ohne Ausnahmegezwungen, einem fremden Herrn Truppen zu stellen und einem fremden Be-fehl untergeben, um für eine fremde Sache zu kämpfen. Da diese Schandean der Nation offenbar wurde, bei der seit zweitausend Jahren die HerrschaftEuropas gewesen, schien der Himmel selbst sie unerträglich zu finden undgab dessen ein Zeichen, um die Menschen zu erinnern, was sie auch ohne ihnhätten tun sollen. Wahrlich, jene großen Schrecken der Natur, die NapoleonsFall verkündeten, gereichen der deutschen Nation zu tiefer Beschämung".Wohl traf dieses Schauspiel unsere Besten schon zum Kampf bereit, aber dieFürsten vergaßen die Lehre des Himmels, noch bevor der Kampf der Völkerzu Ende ging, sie vergaßen die Wunde am Rhein, und selbst der romantischePreußenkönig, der den Kölner Dombau als Sinnbild der deutschen Einheitfeierte, ließ den verräterischen Zweifel gelten, ob diefremdartigen Länder"im Westen nicht das Unglück Preußens seien, versagte sich feige der Kaiser-

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