seines Herrn", man darf von Hagen von Tronje nicht das Strahlenauge desSiegfried noch das Saitenspiel des Volker von Alzey fordern. Der Täter kannniemals warten auf die Entwicklung einer vollkommenen Welt oder den reifenAugenblick für die reinste Verfassung: er wirft die Würfel der Zeit und mischtsein Spiel aus den gegebenen Kräften.
Nicht sie alle überschaute Bismarck freilich in dem verwirrten Gefüge desdeutschen Wesens: er überschätzte die Kraft der welkenden Herrscher-geschlechter und ihre Wurzeltiefe im Volke, er unterschätzte die Kraft dergeistig sozialen Mächte: die konservative der alten Kirche und die revolutio-näre des jungen Sozialismus. Indem er beide bekämpfte und beiden den Siegüberlassen mußte, stärkte er gerade im Süden und Westen, gerade am Rheindie nie überwundenen Splitterkräfte, riß er die alten religiösen und partikularenGegensätze nochmals auf und vertiefte die sozialen der erwerbenden Klassen.Der Reichstag spiegelte bald und spiegelt noch heute die alte und neue Zer-spaltung Deutschlands in den Parteien wider, die Lande am Rhein, wo Ka-tholizismus und Liberalismus, Demokratie und Sozialismus ihren Ursprungund ihren nährenden Boden hatten, wurden von neuem der Schauplatz böservergiftender Innenkämpfe, Preußen, die Vormacht des Reiches, verlor inihnen die Liebe, die es in den Kämpfen nach außen erworben hatte, und an derempfindlichen jungen Klammer, mit der der Kanzler den Ring des Reichesvernietet hatte, am Reichsland Elsaß-Lothringen wurde deutlich, daß selbst 'unter seiner starken Hand noch immer die sprengenden Kräfte mehr als dieeinenden weiterwuchsen.
Wie einst das Königtum der Hohenzollern auf das östliche Preußen, so warihr Kaisertum auf das westliche Elsaß-Lothringen aufgebaut. Beide Länderlagen außerhalb des bundesstaatlichen Reichsgebietes, waren als in sich be-schlossene Länder die einzigen rechtlich möglichen Träger der neuen Kronen.Doch während Preußen mit den übrigen brandenburgischen Landen so festzusammenwuchs, daß es mehr als nur den Namen, nämlich das Wesen desganzen Staates bestimmte und ihm seine festgeschlossene Einheit gab, ver-mochte Elsaß-Lothringen nicht das gleiche Amt für das Kaiserreich zu er-füllen. Nicht wie einst seit den Karolingern wuchs vom Rheine her das „Reichs-land" als einendes Band ins Innere Deutschlands, nicht Kind der gemeinsamenwachen Sorge der verbundenen Bundesstaaten, wie Bismarck es wollte, nichteinmal Sinnbild der im Kampfe gemeinsam erworbenen Krone blieb das un-selige Land: sondern es schwand als Reichsland, schwand als gemeinsameSorge, schwand als Sinnbild der Einheit und wurde zum Gliedstaat des Bundes,wurde partikular. Auch ein Bismarck konnte das Hineingerissenwerden desReichslandes in die gliedhafte Sonderung so wenig hindern, daß er selbst viel-mehr mit der Sünde seiner Abspaltung begann. Indem er langsam seit 1873,bestimmter seit 1878 die gegen ihn und im Bunde mit ihm erschöpften Liberalen,die alten Träger des großdeutschen Gedankens und der unbedingteren (uni-tarischen) Einheit fallen ließ, indem er im vergeblichen Kampf um eine reinweltliche und rein auf den Besitz sich stützende Staatsmacht die Katholikenund Sozialisten stärker ins Ultramontane und Übernationale drängte, als wohl einKetteier und Lassalle es gewünscht hätten, indem er zugleich unsere bedrohte
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