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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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ziel dieses Kampfes die Rettung der höheren geistigen Kultur der immerkampfbereiten Besten auf dem gebändigten Grunde dienender Schichtenverkündete. Eine Spannung des deutschen Geistes innerhalb dieses einengleichzeitigen Geschlechts, die uns blitzartig die ungeheuren Klüfte des mo-dernen Menschtums zeigt, zwischen denen der bürgerliche Optimist unter demwolkenlosen Himmel des Fortschritts seine schwanken Bauten pries. (Fried-rich Wolters, Von der Herkunft und Bedeutung des Marxismus, 1923.)

GEFAHR DES SIEGES VON 1870/1871

Ein großer Sieg ist eine große Gefahr. Die menschliche Natur erträgt ihnschwerer als eine Niederlage; ja, es scheint selbst leichter zu sein, einen solchenSieg zu erringen, als ihn so zu ertragen, daß daraus keine schwerere Nieder-lage entsteht. Von allen schlimmen Folgen aber, die der letzte mit Frankreichgeführte Krieg hinter sich drein zieht, ist vielleicht die schlimmste ein weit-verbreiteter, ja allgemeiner Irrtum: der Irrtum der öffentlichen Meinung undaller öffentlich Meinenden, daß auch die deutsche Kultur in jenem Kampfegesiegt habe und deshalb jetzt mit den Kränzen geschmückt werden müsse,die so außerordentlichen Begebnissen und Erfolgen gemäß seien. Dieser Wahnist höchst verderblich: nicht etwa weil er ein Wahn ist denn es gibt die heil-samsten und segensreichsten Irrtümer, sondern weil er imstande ist, unsernSieg in eine völlige Niederlage zu verwandeln: in die Niederlage, ja Exstir-pation des deutschen Geistes zugunsten desdeutschen Reiches". (Nietzsche,David Strauß, der Bekenner und der Schriftsteller, 1873.)

DER NATIONALE STAAT UND DIE KATHOLISCHE KIRCHE

Die katholische Geistlichkeit, wenn sie ihren Beruf voll erfüllen will, hat überdas kirchliche Gebiet hinaus den Anspruch auf Beteiligung an weltlicher Herr-schaft zu erheben, ist unter kirchlichen Formen eine politische Institutionund überträgt auf ihre Mitarbeiter die eigne Überzeugung, daß ihre Freiheitin ihrer Herrschaft besteht, und daß die Kirche überall, wo sie nicht herrscht,

berechtigt ist, über Diocletianische Verfolgung zu klagen.-------

Der uralte Kampf zwischen Priestern und Königen wird nicht heut zum Ab-schluß gelangen, namentlich nicht in Deutschland. Wir haben vor 1870 Zu-stände gehabt, auf Grund deren die Lage der katholischen Kirche gerade inPreußen als mustergültig und günstiger als in den meisten rein katholischenLändern auch von der Kurie anerkannt wurde. In unsrer innern Politik, na-mentlich der parlamentarischen, haben wir aber keine Wirkung dieser kon-fessionellen Befriedigung gespürt. Die Fraktion der beiden Reichenspergergehörte schon lange vor 1871 dauernd der Opposition gegen die Regierungdes evangelischen Königshauses an. Bei jedem modus vivendi wird Rom eineevangelische Dynastie und Kirche als eine Unregelmäßigkeit und Krankheitbetrachten, deren Heilung die Aufgabe seiner Kirche sei. Die Überzeugung,daß dem so ist, nötigt den Staat noch nicht, seinerseits den Kampf zu suchenund die Defensive der römischen Kirche gegenüber aufzugeben, denn alle

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