gesetz des bis dahin unabänderlichen Wechsels von ausbeutenden herrschendenund ausgebeuteten unterworfenen Klassen und bog die große Schau unsererDichter und Denker vom ewiglebenden Umlauf der Welt- und Gesellschafts-körper um in den einmaligen, ,,die Vorgeschichte der Menschheit" abschlie-ßenden Vorgang der Umwandlung der kapitalistischen in die sozialistischeGesellschaft. Durch diese Verengerung und Vereinfachung der Ideen undVorgänge auf einige, wissenschaftlich leicht erweisbare und verstandesmäßigleicht zu handhabende Gesetze gewann der Marxismus freilich ein gewaltigesMittel der Massenbewirkung und Massenwirkung von ganz anderer Art, alswir es beim Versuch der Konstituierung eines Vierten Standes am Vorabendder großen Revolution fanden: Statt des Vertrauens auf die Güte der mensch-lichen Natur überhaupt und die Humanität der drei oberen Stände im beson-deren, gab nun die wissenschaftliche Erkenntnis eines bisher verschleiertenGesetzes dem Proletariat die Gewißheit, der notwendig siegreiche Träger einesnaturgesetzlich ablaufenden ökonomischen Vorganges zu sein, dessen handeln-des Element, die Praxis, wie Marx es nannte, die aktive Erscheinungsformdes Proletariats selbst, die bewußte Auswirkung seines Daseinsinhaltes war.Nachdem es zum Bewußtsein seiner selbst gekommen, seine besondere Lageals Klasse erkannt, seine naturnotwendige Aufgabe begriffen hatte, brauchtees nur die Elemente der neuen Gesellschaft, die sich bereits im Schöße derbürgerlichen Gesellschaft gebildet hatten, ,,in Freiheit zu setzen", brauchte essich gleichsam in bewußter Aktivität nur in die Richtung zu wer f en, in welchedas kapitalistische Bürgertum in unbewußter Notwendigkeit schon fiel. DiesesBewußtwerden seines Schicksals und seiner naturnotwendigen Aufgabe gabdem Proletariat den Glauben an seine Macht und damit die innere Möglich-keit des Handelns.
Dieses Handeln in der Notwendigkeit war nach der Anschauung des Marxis-mus revolutionär, es löste die Frage nach der Bindung der in Widerspruch ge-ratenen Gegenkräfte der Gesellschaft durch Zerstörung und Umwandlungdieser Gesellschaft. Erst wenn der kapitalistische Gesellschaftsbau umge-stürzt, wenn im großen Endspiel den wenigen, die den vielen alles genommenhaben, alles wiedergenommen wird, wenn „die Expropriateure expropriiert"sind, glaubte Marx die ewige Fraglichkeit der gesellschaftlichen Widersprüchewieder aufgehoben, ja, zum ersten Male „die nach Raub ausspähende Bestieim Menschen gebändigt zu haben". Für die Vergangenheit galten auch ihmElend und Leiden als unentbehrliche Triebfedern zur höheren Entwicklung.Aber indem er alle unterdrückten Klassen der Erde zum Kampf für das bis-her unvermeidliche Elend der größten Zahl aufrief, verkündete er als Ziel diesesKampfes einen universalen Pazifismus in einer Staat- und herrschaftlosenAssoziation, eine Befriedung der düsteren Grundwidersprüche der Menschen-gesellschaft durch die Aufhebung des Urunrechtes — und dies in eben denJahren, in denen der junge Nietzsche schon im bewußten Gegensatz zum So-zialismus wieder die Unvermeidbarkeit des Elends, der Armut, ja der Unter-drückung als den furchtbar notwendigen Grundwiderspruch jeder lebendigenMenschengemeinschaft aufdeckte, zum Kampf für die erlahmenden Trieb-kräfte der Herrschaft und des Formwillens der Wenigen aufrief und als End-
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