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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Neckar stammten, war zum erstenmal seit Jahrhunderten wieder eine innereEinheit des Fühlens und Schauens unter den Deutschen entstanden, auf derenGrund die gemeinsame Liebe zum Vaterlande erblühte; aus dem klaren Blickin die Bedingnisse neuer Gemeinschaftsformen, die der Umsturz der altenGesellschaft forderte, hatte ein Kind der Lahn, der Freiherr vom Stein, dieam Rhein schon erprobten Ideen der Bauernbefreiung und Selbstverwaltungin das Gefüge des preußischen Staates getragen; aus Leid und Enttäuschung,Scham und erwachendem Stolz erwuchs jene Glut verhaltenen Ingrimmsund empörten Hasses, dem der Rheinländer Görres das zündendste Wort ver-lieh und all diese wachen und dumpfen Leidenschaften verbanden sich festmit dem in Scharnhorst, Gneisenau, Clausewitz, Blücher, York und tausendandern vom heldischen Gegner selbst geweckten Heldensinn und Willen zurWehrhaftmachung des ganzen deutschen Volkes, daß fast wie auf einenGeisterbefehl die Fichte und Humboldt, Arndt und Schenkendorf, Körner,Stolberg und Schlegel, Söhne aus allen Stämmen, ihre Rufe und Reden andas ganze Deutschland richteten, daß die Männer aus Norden und Süden, wiedie Blücher und Gneisenau, sich beim Anblick des Rheines nur als Deutschefühlten und stolz bekannten, kurz, daß all die geheimen und offnen Feuer zuder einen gemeinsamen Flamme der deutschen Befreiung glühend undsiegend zusammenloderten und auch die altüberkommenen Kräfte der Staaten,dann auch die zögernden Stämme im blutigen Kriege mit gegen Frankreichrissen.

So wurde der Boden Deutschlands, wurde der ganze Rheinstrom frei vomFeinde, und wieder schien die Stunde günstig für eine Wende des Schicksals,für die von den Besten geplante, vom Volke ersehnte dichtere Einheit desVaterlandes. Wieder versagten die Fürsten und boten in Wien ein Schau-spiel schmählichsten Schachers, kleinlichsten Eigennutzes wie nie zuvor:durch ihre Zwietracht wurden, wie ehemals Frankreich und Schweden, nunRußland und England die Bestimmer des Friedens und seine Garanten. Gegenden Willen der geistigen Führer und Feldherrn, gegen den Willen der Kreise,die die größten Leiden und Lasten des Krieges getragen, wurden auch jetztdie südlichen Niederlande, wurden Elsaß und Lothringen samt den letztenRechten am westlichen Ufer des Oberrheins ohne Entschädigung preisgegeben nur Luxemburg, Landau und Saarlouis fielen zurück. Nicht die deutschenKämpfer der Freiheitskriege blieben am Rheine Sieger, sondern die beiden er-bitterten Gegner: Frankreich und England! Jenes behielt und zu unbeding-terem Recht seine Angriffsstellung am Oberrhein, dieses beherrschte die vonkleinen Staaten die Niederlande zerfielen bald in Holland und Belgienbesetzte Küste von Scheide, Maas und Rhein und hielt weiter mit Helgolandund dem vom englischen Königshause regierten Hannover auch die Mün-dungen der Ems, Weser und Elbe in seiner Gewalt. England also beherrschteden Kanal unddas nasse Dreieck", Deutschland, das die Küste einst vonder Scheide, ja jahrhundertelang von Gravelingen bis zur Eider beherrschte,war als staatliche Macht von der Nordsee ausgeschlossen, als eben die See-geltung das Mittel der Weltgeltung unter den Mächten der Erde wurde. (Fried-rich Wolters und Walter Elze, Stimmen des Rheines, 1923.)

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