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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Einheitsstaat sich wieder im Westen zu bilden begänne. Doch dieser Bundwar weder aus deutscher Not noch Kraft entstanden, nicht seine Fürstenhatten das alte Heilige Reich in sich selbst überwunden, sondern Napoleon,und er, der Fremde, nicht um einer deutschen Einheit, sondern um seinerHerrschaft willen. Der Rheinbund war sein Werk und sein Vasall, der Rheinnicht die lebendige kräftige Mitte des Bundes, sondern die westliche, überalldurchlöcherte Grenze. Von Wesel bis zur Mündung lagerte später das Reichdes Kaisers breit über beide Ufer und dehnte sich bis nach Lübeck hin, mitKatzenellenbogen und den Brückenköpfen von Mainz und Straßburg trates am Mittelrhein auf das rechte Ufer, und auch die freie Schweiz am Ober-lauf war nicht viel mehr als ein Vasall des Kaisers.

So war der Rhein zerrissener als je, und zur äußeren Knechtung trat innereVerfremdung ganzer Gebiete: von hier an rechnet die wachsende Französierungder Schweiz, Flanderns und Hollands, von hier an mußte das Elsaß, das amBeginn der Umwälzung seine alten Rechte, seine landschaftliche Sonderartnoch bewahren wollte, sich der Gewalt deseinen und unteilbaren Freistaats"beugen, den Traum einer Sonderstellung zwischen Deutschland und Frank-reich für immer begraben. Die letzten Verbindungen mit den deutschenLändern wurden nun erst ganz gelöst, die immer noch geltenden Rechte derdeutschen Fürsten im Elsaß aufgehoben, die Zollinie, die es bisher gegen Frank-reich, nicht gegen Deutschland schloß, nun erst an den Rhein verlegt. Aucham Mittel- und Niederrhein hatte das sehnsüchtige Verlangen nach neuenfreieren Lebensformen ihren westlichen Verkündern entgegengejubelt, hatteStaunen und Begeisterung für menschliche Größe dem jungen Helden entgegen-gejubelt, der eine neue Zeit, wie der Deutsche sie immer ersehnte, durch Tatund Sieg zu verwirklichen schien, und als die Ernüchterung kam, und derTraum eines Völkerfrühlings von Westen verflog, als die Enttäuschung kam,und statt der Freiheit die Fremdherrschaft, statt der Gleichheit Raub undTribut die Gaben des Siegers waren, als deutlich wurde, daß auch die voll-kommenste Ordnung des Fremden nicht die Entfaltung eignen Wesens, nichtdie Vollendung eigner Bildung aufwog, war die freie Selbstbestimmung ver-loren und das Gebot des Kaisers das einzige gültige Recht. Der Rhein wurdezum Graben, der Rheinbund zum Glacis der französischen Festung gemacht,und jetzt erst spürten die Deutschen bis in ihre östlichsten Glieder, was esbedeute, den Rhein zu verlieren und in der Gewalt des Feindes zu lassen,jetzt erst spürten auch ihre beiden großen Staaten, Preußen und Österreich,was es hieß, sich am Rhein zudesinteressieren": von dort aus drückte derEroberer ihnen das Knie in den Nacken und bestimmte dauernd ihr eigenesSchicksal, nach dem Verlust des Rheines war weder Preußen noch Österreichmehr eine Großmacht mit freiem Willen, und ihre Söhne mußten dem Im-perator auf die Schneefelder Rußlands folgen oder wohin er sie führen wollte.Die Fürsten, auch dann noch uneins, der eine vor Austerlitz, der andre vorJena mit der Hilfe zögernd, spürten das Los, aber sahen seine Ursache nichttief genug oder vergaßen sie bald über kleinerem Nutzen. Aus der Tiefe desVolkes wuchs ihnen die Kraft entgegen, das Joch von sich abzuschütteln:aus der geistigen Bewegung der Dichter, deren größte Träger vom Main und

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